Hinweise zum Verhalten bei Begegnungen mit Wölfen

Seit dem Jahreswechsel häufen sich Meldungen zu Sichtungen von Wölfen. Ursache dafür ist, dass aktuell eine Umstrukturierung in den bestehenden Wolfsrudeln erfolgt. Die einjährigen Wölfe unternehmen immer weitere Ausflüge abseits des elterlichen Kernterritoriums bis hin zur vollständigen Abwanderung auf der Suche nach neuen eigenen Territorien zur dauerhaften Ansiedelung. In dieser Phase kommt es insbesondere zu vermehrten Sichtungen.

Hierbei sind unbedingt verschiedene Arten von Begegnungen mit Wölfen zu unterscheiden. Zum einen zufällige Sichtungen in der freien Landschaft wie etwa beim Spaziergang. Solche Sichtungen sind nach wie vor eher selten, da Wölfe den Menschen in der Regel zuerst bemerken und sich dann zurückziehen. Dennoch sind derartige Sichtungen, z.B. bei ungünstigen Windverhältnissen, nicht auszuschließen.

Werden Menschen durch Hunde begleitet, kann dies das Verhalten von Wölfen beeinflussen. Im Einzelfall können Hunde Auslöser für Nahbegegnungen zwischen Wolf und Mensch sein oder auch dafür, dass Wölfe sich über längere Zeit in Siedlungsbereichen oder deren Umfeld aufhalten. Grundsätzlich sollten Hunde beim Spaziergang in Regionen, in denen mit Wölfen zu rechnen ist, immer angeleint sein. Wenn auch selten, kann es vorkommen, dass sich Wölfe für den Hund interessieren, weil sie in ihm einen Artgenossen sehen. Je nach Situation können Wölfe auf Hunde unterschiedlich reagieren: neutral (dies ist meist der Fall), positiv (der Hund wird als Paarungspartner oder Spielgefährte gesehen) oder negativ (Hund wird als Konkurrent wahrgenommen). Insgesamt ist es wichtig, dass Sie Ihren Hund nahe bei sich führen, um zu verhindern, dass Wolf und Hund direkt interagieren. Kommt der Wolf trotzdem näher, sollten Sie ihm durch lautes Rufen und In-die-Hände-Klatschen Ihre Präsenz deutlich machen. Wenn er sich Ihrer bewusst wird, ergreift der Wolf in der Regel die Flucht (Quelle: https://www.dbb-wolf.de/mehr/faq ).

Von den genannten Konstellationen zu unterscheiden sind Begegnungen, welche eine mögliche Gefahrenlage oder ein auffälliges Verhalten darstellen können und weiteren Klärungsbedarf erzeugen. Dazu zählen beispielsweise Konstellationen, in denen ein Wolf mehrfach die Annäherung von Menschen auf unter 30 Meter toleriert, sich aktiv nähert oder unprovoziert aggressiv auf Menschen reagiert. Solche Nahbegegnungen sind – soweit möglich – zu dokumentieren und den zuständigen Stellen zu melden.

Bei aggressivem Verhalten eines Wolfes gegenüber Menschen, das eine unmittelbare Gefahr darstellt, ist umgehend die Polizei zu verständigen.

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie einen Wolf sehen, verhalten Sie sich bitte ruhig. Bleiben Sie stehen und halten Sie Abstand. Sprechen Sie das Tier ruhig an, falls es noch nicht auf Sie aufmerksam geworden ist. Bevor es (vermutlich rasch) verschwindet, versuchen Sie sich sein Aussehen gut einzuprägen und melden Sie die Sichtung. Es ist auch sinnvoll ein Foto zu machen – allerdings nur, wenn sie sich dabei dem Tier nicht weiter annähern, um ein besseres Bild zu bekommen oder es gar verfolgen. Wenn Ihnen die Situation nicht geheuer ist, laufen Sie nicht davon, sondern gehen Sie langsam rückwärts und sprechen Sie dabei laut. Falls der Wolf nicht wegläuft oder sich Ihnen wider Erwarten annähert, halten Sie an, schreien Sie ihn an und klatschen in die Hände. Versuchen Sie ihn einzuschüchtern, indem Sie sich groß machen und eventuell etwas nach ihm werfen (Quelle: https://www.dbb-wolf.de/mehr/faq ).

Auf der Internetseite www.wolf-mv.de finden Sie Kontaktdaten zu Ansprechpartnern, bei denen Wolfssichtungen oder andere Hinweise im Zusammenhang mit Wölfen gemeldet werden können. Übergriffe auf Nutztiere sowie Hinweise zu verhaltensauffälligen Wölfen können unter der Schadenshotline gemeldet werden. Anderweitige Monitoringhinweise oder Wildtierrisse nimmt das Wolfsmonitoring entgegen. Diese Meldungen stellen einen wichtigen Baustein dar, um das Vorkommen und das Verhalten der Wölfe einschätzen und in geeigneter Weise reagieren zu können.

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Neue Wolfsrudel in M-V bestätigt

Im Ergebnis eines intensiven Wolfsmonitorings des Landes aber auch durch die Bereitstellung von Wolfsdaten durch örtliche Jäger, Landwirte und Wolfsbetreuer konnten in den letzten Wochen neue Erkenntnisse zur Entwicklung der Wolfspopulation in Mecklenburg-Vorpommern erlangt werden.

Aus dem Raum südlich von Güstrow – bei Kirch Rosin – konnte ein neues Wolfsvorkommen (Rudel) mit mindestens 3 Welpen bestätigt werden. Ein weiteres Rudel ist für den Bereich des Naturparkes Feldberger Seenlandschaft (im Übergangsbereich zum Serrahner Teil des Müritz-Nationalparks) neu bestätigt worden. Mittels Fotofallen konnten hier neben 2 Altwölfen auch 5 Jungwölfe dokumentiert werden. Das Rudel trägt die Bezeichnung „Wokuhl“. Westlich von Greifswald gibt es erste Hinweise auf ein neues Paar, welches aber noch durch ein kontinuierliches Monitoring bestätigt werden muss.

Weiterhin liegen folgende Erkenntnisse zu bereits bekannten Wolfsvorkommen vor, welche unter anderem auch auf die kürzlich erfolgte erfolgreiche Besenderung von 2 männlichen Welpen im Bereich der Wolfsvorkommen Lübtheen und Grabow zurückgehen. Für das zuletzt als Paar bestätigte Vorkommen in der Lübtheener Heide konnte inzwischen mit zwei Welpen der Rudelstatus bestätigt werden. Die Wölfin dieses Rudels wurde 2016 als Welpe selbst in der Lübtheener Heide besendert (WF3 Emma) und ist heute noch an dem vorzeitig ausgefallenen Sendehalsband zu erkennen.

Vom Jasnitzer Rudel gelangen ab Ende September nur noch Nachweise einer dreibeinigen Jährlingsfähe (Welpe aus 2019). Ihr Gesundheitszustand ist trotz der verheilten Verletzung sehr gut. Seit dieser Zeit ist auch der besenderte Rüde des Rudels verschollen. Seit Anfang Oktober wurde ein neuer Rüde mittels Fotofallen gemeinsam mit der Wölfin dokumentiert. Damit verändert sich der Status dieses Vorkommens zunächst vom Rudel zum Paar.

Eröffnung Wolfspfad – neuer Erlebnispfad im Müritz-Nationalpark

Ein neuer Erlebnispfad im Müritz-Nationalpark vermittelt auf zwei aufregenden Kilometern Kindern und Erwachsenen fundiertes Wolfswissen. Er wurde am 03.09.2020 von Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft und Umwelt, mit mit vielen Kindern sowie Andrea und Alexander Borchard vom Familotel Rookhus erprobt und eingeweiht.

Die Lebensweise und die Geschichte des Wolfs werden durch liebevoll gestaltete Stationen von den Wolfsexpert*innen Lotta und Lars vermittelt und laden zum Mitmachen ein: Seit wann sind die Wölfe wieder hier? Wo leben und was fressen sie? Und: sind diese Tiere gefährlich für den Menschen?

All diese Fragen werden entlang des interaktiven Wanderweges beantwortet. Mithilfe von Köpfchen und Körpereinsatz können Verhaltensmuster von Wölfen erlernt und so besser verstanden werden. Wem das Stillsitzen schwer fällt, setzt die Sprache der Wölfe in aktives Spiel um und inspiziert die historische Wolfsfanggrube. In der Märchenhütte werden die Mythen um das sagenumwobene Tier aufgegriffen und Licht ins Dunkel gebracht. Getreu dem Motto des Nationalparks „Natur Natur sein lassen“ vermittelt der Erlebnispfad fundiertes Wissen aus der Wolfsforschung für einen besonnenen Umgang mit dem faszinierenden Säugetier.

Alexander Borchard liest den Kindern in der Märchenhütte ein Wolfsgeschichte vor. Groß und Klein, wie auch Minister Till Backhaus sind ganz leise und lauschen gespannt. (Foto: Ulrich Meßner, Nationalparkamt Müritz)

Wolfsnachwuchs im Müritz-Nationalpark

Ein Wolfswelpe inspiziert neugierig eine automatische Kamera, die im Rahmen des Wildtiermonitorings installiert wurde. Foto: Nationalparkamt Müritz

Seit mehr als zwei Jahren leben dauerhaft Wölfe im Müritz-Nationalpark. Nun konnte erstmals ein Wolfswelpe dokumentiert werden. Am 10. August 2019 gegen 7:23 Uhr löste die Bewegung des ca. 10 Wochen alten Jungtieres in einem abgelegenen Teil des Müritz-Nationalparks die Automatik einer Wildkamera aus.

Seit 2016 lebt die Mutter des Welpen, die Fähe „Saxonia“, im westlichen Teil des Nationalparks. Genetische Untersuchungen belegen, dass das weibliche Tier mit der Individualkennung „GW681f“ ursprünglich aus dem Landkreis Görlitz (Sachsen) stammt. Regelmäßige Spuren- und Fotofallenbilder, die im Rahmen des Wolfsmonitorings entstanden sind, bestätigten ihren dauerhaften Aufenthalt östlich der Müritz. Seit 2018 hat die Wölfin einen Begleiter gefunden. Das männliche Tier hinterlässt deutlich größere Pfotenabdrücke und sind deshalb gut von seiner zierlicheren Partnerin zu unterscheiden. Der Welpennachweis belegt, dass aus dem Paar eine Familie wurde. „Die Frage wieviel Welpen tatsächlich zum Nationalpark-Rudel gehören soll die Fortführung des Montorings beantworten“, so Nationalparkleiter Ulrich Meßner.

Der erste Nachweis von Wölfen im Müritz-Nationalpark gelang bereits im Mai 2012 durch einen einzelnen Rüden, der auf seiner Wanderschaft nach Niedersachsen weiterzog. Auch im östlichen Teilgebiet „Serrahn“ werden seit 2018 immer wieder Hinweise auf Wölfe gemeldet. Bis dato gibt es hier jedoch noch keine Belege für Welpen.

Das Wolfsmonitoring für Deutschland geht bundesweit für das Jahre 2018 von über 70 Rudeln mit Reproduktion aus (dbb-wolf.de). In Mecklenburg-Vorpommern siedeln seit 2006 wieder Wölfe, die erste Wolfsfamilie wurde im Jahr 2014 bei Lübtheen nachgewiesen. Gegenwärtig sind offiziell sieben Rudel bekannt.