Erhalt von Arbeitsplätzen im Verarbeitenden Gewerbe durch Kurzarbeit

Das Verarbeitende Gewerbe war 2020 in fast allen Wirtschaftsbereichen von Kurzarbeit als Reaktion auf die Corona-Pandemie betroffen. In den größeren Betrieben mit 50 und mehr tätigen Personen wurden 4,6 Millionen Arbeitsstunden weniger geleistet als 2019: Das entsprach einem Rückgang der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Prozent. Gleichzeitig konnte aber die Anzahl der in dieser Betriebsgröße Beschäftigten 2020 stabil gehalten werden.

Im Jahr 2020 arbeiteten in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 53 000 Personen in 325 Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes (einschließlich Bergbau) mit 50 und mehr tätigen Personen. Sie leisteten insgesamt 78,724 Millionen Arbeitsstunden.

Beginnend im April und verstärkt ab Mai 2020 waren viele Betriebe zu Kurzarbeitsmodellen übergegangen, um den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu begegnen. Entsprechend stark rückläufig sind die geleisteten Arbeitsstunden:

2019 wurden in den Großbetrieben des Verarbeitenden Gewerbes noch 83,356 Millionen Arbeitsstunden erbracht, 2020 insgesamt 78,724 Millionen: Das waren rund 4,6 Millionen Arbeitsstunden weniger (- 5,5 Prozent). Bundesweit gingen die Arbeitsstunden in den Großbetrieben des Verarbeitenden Gewerbes 2020 gegenüber 2019 um 7,0 Prozent zurück.

Der Rückgang der Arbeitsstunden betraf in Mecklenburg-Vorpommern fast alle Wirtschaftsbereiche, vor allem aber den Schiff- und Bootsbau (- 2,6 Millionen Arbeitsstunden), die Herstellung chemischer Erzeugnisse (- 930 Tausend Arbeitsstunden), von Metallerzeugnissen (- 910 Tausend Arbeitsstunden), sowie von Kraftwagen und Wagenteilen (- 655 Tausend Arbeitsstunden).

Weitere Informationen enthält der Statistische Bericht „Monatsmeldung zu Beschäftigung und
Umsatz der Betriebe mit 50 und mehr tätigen Personen in Mecklenburg-Vorpommern, 2020“
(E113J 2020 00). Als konsolidierte Auswertung aller Monatsmeldungen der Großbetriebe bietet er
Informationen zu Beschäftigung und Umsatz des Verarbeitenden Gewerbes im Jahresverlauf 2020.
Die Daten werden für Mecklenburg-Vorpommern, die Kreise und kreisfreien Städte sowie für ausgewählte nicht kreisfreie Städte angeboten. Der Bericht kann kostenfrei im Internet unter
https://www.laiv-mv.de/Statistik/Zahlen-und-Fakten/Wirtschaftsbereiche/Verarbeitendes-Gewerbe heruntergeladen werden.

Übernahme Auszubildender – nach der Lehrzeit – ist auch bei Kurzarbeit möglich

Viele Betriebe befürchten – wenn sie Kurzarbeit eingeführt haben – negative Auswirkungen, wenn sie Auszubildende nach der Lehrzeit übernehmen. Doch diese Sorge ist unbegründet. Der Anspruch auf Kurzarbeit wird hierdurch nicht berührt.

Thomas Besse, Chef der Neubrandenburger Arbeitsagentur dazu: „Die Corona-Pandemie darf nicht zu einer Krise für die berufliche Zukunft junger Menschen werden. Darum ist es so wichtig, dass Unternehmen ihre ehemaligen Lehrlinge nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung übernehmen, auch wenn sie Kurzarbeit eingeführt haben. Der Anspruch auf Kurzarbeit wird hierdurch nicht berührt.“

Die Übernahme ehemaliger Auszubildender in ein befristetes oder unbefristetes Beschäftigungsverhältnis gehört zu den „zwingenden Gründen für einen Personalaufbau“ trotz Bezug von Kurzarbeitergeld. Das Gleiche gilt für Studienabgängerinnen und -abgänger.

„Eine vorherige Genehmigung der Übernahme durch die Arbeitsagentur ist nicht erforderlich“, sagt Besse. „Unternehmen und Betriebe geben – wenn sie Kurzarbeitergeld für den betreffenden Monat abrechnen – ergänzend zu dem Leistungsantrag eine kurze Erklärung ab, dass sich die Gesamtzahl der beschäftigten Arbeitnehmer – und ggf. auch die Zahl der Kurzarbeitenden – erhöht hat, weil der/die ehemalige Auszubildende übernommen wurde.“

Umfangreiche Informationen und Unterlagen zu Kurzarbeit gibt es online unter: www.arbeitsagentur.de/m/corona-kurzarbeit.
Bei Fragen können sich Unternehmen an den Arbeitgeber-Service unter der gebührenfreien Hotline 0800 4 5555 20 wenden.

Saison-Kurzarbeitergeld: Ohne Jobverlust durch den Winter

Unternehmen im Baugewerbe, Betriebe im Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, die Dachdecker und die Gerüstbauer, stehen jedes Jahr vor den gleichen Herausforderungen: Frost und Schnee, Regen und Sturm führen zu saisonbedingten Arbeitsausfällen und nicht selten wird gut ausgebildetes und eingearbeitetes Personal in die Arbeitslosigkeit entlassen. Das muss nicht sein, denn für diese Unternehmen besteht die Möglichkeit, das Saison-Kurzarbeitergeld (kurz: Saison-Kug) sowie die sogenannten ergänzenden Leistungen in Anspruch zu nehmen.

Das Saison-Kurzarbeitergeld wird in der Schlechtwetterperiode vom 1. Dezember bis zum 31. März gezahlt. Dabei wird die Leistung bereits ab der ersten Ausfallstunde gewährt. Die betroffenen Arbeitnehmer erhalten das Saison-Kug in der Höhe des sonst gezahlten Arbeitslosengeldes, bleiben aber weiterhin bei ihren Arbeitgebern angestellt. Verbessern sich die Witterungsbedingungen und ist dadurch wieder eine kurzfristige Arbeitsaufnahme möglich, kann die Weiterbeschäftigung unkompliziert und ohne langwierige Personalsuche erfolgen.

Arbeitgeber haben während der Zahlung des Saison-Kurzarbeitergeldes Anspruch auf die Erstattung der von ihnen allein zu tragenden Beiträge zur Sozialversicherung. (Aus tarifrechtlichen Gründen gilt dies allerdings nicht für die Gerüstbauer.)

Diese ergänzenden Leistungen, sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer, finanzieren sich im Übrigen nicht aus den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung, sondern aus einer speziellen Umlage. Eine solche Umlage sind Zahlungen, die extra für einen bestimmten Zweck erhoben werden – in diesem Fall für die ergänzenden Leistungen zum Saison-Kurzarbeitergeld. Das Verfahren hierzu wurde durch die Tarifpartner der Baubranche beschlossen. Anders als viele denken, wird diese Umlage nicht nur durch die Unternehmen finanziert. Seit einigen Jahren leisten auch die Arbeitnehmer einen Beitrag zur Umlage, um so die Arbeitslosigkeit im Winter zu vermeiden.

Die Fachleute im Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter in der Seenplatte beraten interessierte Unternehmen gerne über diese Leistung unter der kostenlosen Arbeitgeberhotline 0800 4 5555 20.

Kurzarbeit: Mit neuem Lockdown möglicherweise neue Anzeige notwendig

Die Arbeitsagentur unterstützt Betriebe – auch während des sogenannten Teil-Lockdown – mit dem Kurzarbeitergeld. Die Kurzarbeiter-Regelung bietet eine flexible Möglichkeit, Mitarbeitende je nach Auftragslage im Unternehmen zu beschäftigten. Die Unternehmen zeigen Kurzarbeit an und rechnen dann den tatsächlichen Arbeitsausfall bei der Arbeitsagentur ab.

Katrin Bennemann, Teamleiterin bei der Arbeitsagentur: „Wenn in einem Monat Arbeitsausfall eintritt, reicht es aus, wenn die Anzeige am letzten Tag dieses betreffenden Monats eingereicht wird. Wichtig ist allerdings, dass sie nicht vergessen wird. Nachträgliche Anzeigen können nicht berücksichtigt werden.“

Und weiter sagt sie: Wer länger als drei Monate in Folge keine Kurzarbeit abgerechnet hat, braucht – um die Regelung erneut in Anspruch zu nehmen – zwingend eine neue Anzeige. Der Zeitpunkt der Antragstellung muss dabei in dem Monat liegen, in dem der Arbeitsausfall tatsächlich eintritt.“ Bei Fragen können sich Unternehmen an ihren persönlichen Ansprechpartner im Arbeitgeberservice oder an die kostenfreie Hotline der Arbeitsagentur 0800 4 5555 20 wenden.

Bis Mitte Oktober wurde für 27.869 Menschen im Landkreis vorsorglich Kurzarbeit angezeigt. Nach aktuellen Hochrechnungen befanden sich im Mai 2020, 11.864 Mitarbeitende – aus 1.711 Unternehmen – in Kurzarbeit.

Achtung Fristablauf: Im März angezeigte Kurzarbeit bis zum 30. Juni abrechnen!

Ca. 700 Betriebe und Unternehmen haben im Seenplattekreis im März Kurzarbeit angezeigt. Anträge auf die Erstattung der im Monat März in Vorleistung erbrachten Lohnersatzleistung müssen nun bis zum 30. Juni bei der Arbeitsagentur Neubrandenburg fristgemäß eingereicht werden. Die Service-Hotlines für Arbeitgeber/innen 0800 4 555 20 bietet telefonisch Unterstützung an.

Unternehmen und Betriebe zahlen bei verkürzter Arbeit das anfallende Kurzarbeitergeld in Vorleistung aus. Sie haben vom Folgemonat an drei Monate Zeit, ihren Antrag auf Erstattung des an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausgezahlten Kurzarbeitergeldes bei Arbeitsagentur einzureichen. Wenn zum Beispiel im März verkürzt gearbeitet wurde, kann der Antrag auf Erstattung im April, Mai oder Juni gestellt werden. Nach dem 30. Juni verfällt der Anspruch auf Erstattung.

Thomas Besse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Neubrandenburg: „Unternehmen können Kurzarbeit anzeigen, müssen diese aber nicht umsetzen oder können auch nur teilweise verkürzt arbeiten. Jedes Unternehmen entscheidet selbst aufgrund seiner Auftragslage, ob und wie viel Kurzarbeit es realisieren muss. Dafür bleiben drei Monate Zeit, die realisierte Kurzarbeit mit der Arbeitsagentur abzurechnen.“

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Kurzarbeitergeld wird unter bestimmten Voraussetzungen erhöht

Das Gesetz zur weiteren Abfederung der sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie (Sozialschutzpaket II) wurde Ende Mai 2020 im Bun­des­gesetzblatt veröffent­licht. Enthalten sind darin auch Änderungen zur Höhe des Kurzarbeitergeldes und zu den Hinzuverdienstmöglichkeiten während der Kurzarbeit.

Stufenweise Erhöhung des Kurzarbeitergeldes

  • Bisher galt bereits bezüglich der Höhe des Kurzarbeitergeldes: Beschäftigte erhal­ten 60 Prozent des während der Kurzarbeit ausgefallenen Nettolohnes. Personen mit mindestens einem Kind bekommen 67 Prozent. Neu hinzu kommt die Regelung zur stufenweisen Erhöhung des Kurzarbeitergeldes, die nun befristet bis zum 31.12.2020 gilt.
  • Die Erhöhung erfolgt in zwei Schritten, zum vierten und siebten Bezugs­monat. Das Kurzarbeitergeld erhöht sich ab dem vierten Bezugsmonat auf 70 Pro­zent (beziehungsweise auf 77 Prozent für Personen mit mindestens einem Kind) und ab dem siebten Monat auf 80 Prozent (beziehungsweise 87 Prozent für Per­sonen mit mindestens einem Kind)
  • Dieser erhöhte Leistungsanspruch setzt jedoch voraus, dass im jeweiligen Kalen­de­r­monat für die Person in Kurzarbeit ein Entgeltausfall von min­destens 50 Prozent vorliegt. Diese Voraussetzungen gilt für beide Er­höh­ungs­stufen.
  • Zweierlei ist zu beachten: In die Berechnung der Höhe des Kurzarbeiter­geldes wird nicht der Betrieb, sondern die individuelle Bezugsdauer der jeweiligen Be­schäftigten einbezogen. Und: Der Referenzmonat für die Berechnung der indi­vidu­ellen Bezugsdauer ist der März 2020. Das be­deutet, dass die Zählung von Bezugsmonaten mit dem Monat März 2020 beginnt. Monate vor diesem Referenz­punkt, in denen eine Person bereits Kurzarbeitergeld bezogen hat, bleiben unbe­rück­sichtigt. Das erhöhte Kurzarbeitergeld kann also frühestens ab Juni 2020 bezogen werden.

Hinzuverdienstmöglichkeiten während der Kurzarbeit

  • Die Möglichkeit für Beschäftigte in Kurzarbeit, sich neben dem Kurzarbeiter­geld etwas hinzuverdienen zu können, ist für die Zeit vom 01. Mai 2020 bis 31. Dezem­ber 2020 für alle Berufe geöffnet worden.
  • Geringfügige Beschäftigungen bleiben an­rechnungsfrei. Das heißt, der Hinzuverdienst wird nicht vom Kurzarbeitergeld abgezogen.
  • Auch wenn Beschäftigte eine mehr als geringfügige Tätigkeit aufneh­men, bleibt diese bis zum Erreichen der vollen Höhe des bisherigen Nettomonats­einkommens anrechnungsfrei.
  • Dabei darf das Gesamteinkommen -aus noch gezahl­tem Arbeitsein­kom­men, dem Kurzarbeitergeld sowie dem Hinzuverdienst -das normale Netto­einkommen nicht übersteigen. Darüberhinausgehende Einnahmen kürzen das Kurzarbeitergeld.

Kurzarbeit online abrechnen – Hinweise für Arbeitgeber

Mehrere tausend Unternehmen haben in den vergangenen Wochen im Landkreis Kurzarbeit angezeigt. Das Kurzarbeitergeld wird durch den Arbeitgeber an die Arbeitnehmer ausgezahlt und anschließend auf Antrag von der Agentur für Arbeit erstattet. Die Agentur für Arbeit möchte die Erstattung des Kurzarbeitergeldes für die Arbeitgeber schnellstmöglich realisieren und bittet um die Beachtung der folgenden Hinweise.

Eine Bearbeitung kann schneller erfolgen, wenn der Leistungsantrag online über den Account des Arbeitgebers auf www.arbeitsagentur.de übermittelt wird.

Arbeitgeber werden gebeten, sich nicht neu für die eServices zu registrieren, da mit der Beantragung der Betriebsnummer bereits ein Datensatz angelegt wurde. Die Zugangsdaten erhalten die Unternehmen über die kostenfreie Arbeitgeber-Hotline 0800 4 5555 20. Unsere Berater unterstützen auch gerne bei der Online-Übermittlung des Leistungsantrages.

Der Leistungsantrag auf Kurzarbeitergeld wird im Folgemonat über die Lohnprogramme generiert. Dazu müssen die Unternehmen über geleistete Arbeits-, Ausfall- und Fehlzeiten Arbeitszeitnachweise führen und aufbewahren. Dieser fertige Antrag muss nur noch unterschrieben online an die Agentur für Arbeit übermittelt werden. Für Unternehmen, die ihre Lohnabrechnung selbst ohne ein Software erstellen, sind der Antrag und die Abrechnungsliste auf www.arbeitsagentur.de bereitgestellt.

Hinweis:
Die Erstattung des Kurzarbeitergeldes kann erst im Folgemonat beantragt werden. Anträge, die bereits im laufenden Monat eingereicht werden, führen zu einer Ablehnung und kosten unnötig Bearbeitungskapazität. Arbeitgeber reichen bitte keine vorläufigen, sondern nur bereits korrigierte Lohnabrechnungen ein.
Die Beachtung dieser Hinweise führt zu einer schnelleren Bearbeitung aller Anträge auf Erstattung von Kurzarbeitergeld.
Um den Unternehmen die Möglichkeit zu geben, ihre Fachkräfte zu halten, werde daher auch alles darangesetzt, die Anzeigen schnellstmöglich zu bearbeiten, um die Leistungen auszahlen zu können.