Methylmethacrylat in Nagelmodellage-Produkten

Von kürzlich untersuchten 17 Proben Nagelmodellagemittel mussten sieben beanstandet werden. Die Probleme bezogen sich auf Kennzeichnungsmängel oder die Irreführung des Verbrauchers, wie z. B. fehlende Warnhinweise oder unkorrekte Auslobungen wie „geruchsarm“.
„Weiterhin enthielt eine Probe 61 % des als gesundheitsschädlich geltenden Methylmethacrylats (MMA)“, sagt Cornelia Trapp, zuständige Abteilungsleiterin für Lebensmittel, Futtermittel und Kosmetik im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) in Rostock. Die Proben stammten aus Nagelstudios in Mecklenburg-Vorpommern.

Nagelmodellagemittel bestehen, vereinfacht dargestellt, oft aus einer Flüssigkomponente, flüssigem Acrylat – handelsüblich ist Ethylmetacrylat, möglich aber auch MMA – sowie einer Pulver-Komponente. Werden die Komponenten vermengt, setzt die Polymerisierung des Acrylates ein. Die entstehende Paste wird auf Finger- oder Fußnägel aufgetragen und härtet dort aus.

„Die Verwendung von MMA ist in der deutschen und europäischen Kosmetikgesetzgebung noch nicht reguliert“, moniert Trapp. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) kam in einer Stellungnahme zu dem Schluss, dass hohe Konzentrationen die Gesundheit schädigen können. MMA hat ein starkes Sensibilisierungspotential für Allergien. Entstehende Schäden am Nagel können über Jahre anhalten. Eine Allergie kann nach Senisibilisierung auch bei der Verwendung von MMA-haltigem Zahnersatz oder bei orthopädischen Eingriffen mit Knochenzement auftreten. Dies bedeutet eine Einschränkung therapeutischer Optionen.
Es gibt Fälle von Infektionen an Fingerspitzen, Handflächen und im Gesicht. Selbst ein mögliches Ablösen der Nägel wird beschrieben.

Methacrylate haben einen charakteristischen, äußerst starken und unangenehmen Geruch, so dass die Auslobung „geruchsarm“ in einer Probe bei gleichzeitiger Anwesenheit von Methylmethacrylat und Ethylmethacrylat eine Irreführung darstellte. Eine gleichartige Auslobung hatte eine andere Probe, die nur Ethlylmetacrylat enthielt, aber ebenso einen starken chemischen Geruch aufwies.

Ethylmethacrylat war in sechs Proben zu einem Anteil zwischen 13 und 72 % enthalten. Diese Substanz gilt bisher als nicht toxikologisch auffällig.

Hintergrund

MMA ist in Staaten wie den USA, Kanada, Australien für die Nagelmodellage verboten bzw. es wird vor seiner Verwendung gewarnt. In der EU existiert bislang keine rechtliche Vorgabe. Die Problematik wird jedoch bei der EU-Kommission diskutiert.

Künstliche Fingernägel sind nach dem Aushärten fest und nicht elastisch. Bleibt man an ihnen hängen oder klemmt man sie ein, können sie schnell brechen und mit ihnen der natürliche Nagel. Das ist schmerzhaft und kann ebenfalls Infektionen zur Folge haben. Außerdem lassen sich die harten Fingernägel schwierig in Form bringen und sind oft nur mit einer groben Feile wieder zu entfernen. Das kann unter Umständen die Nagelplatte und das Nagelbett verletzen.