Kann man Tierwohl kaufen?

Onlinevortrag der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern e.V. zur Lebensmittelkennzeichnung

Am 6.Juli 2021 um 16:00 Uhr lädt die Verbraucherzentrale zum Onlinevortrag „Kann man Tierwohl kaufen?“ ein.

Mastschweine im Stall Quelle: VZ MV

In der Werbung tauchen häufig Begriffe wie „artgerecht“ und „Tierwohl“ auf. Was vielen nicht klar ist: Das hat kaum eine verbindliche Bedeutung. Wenn im Supermarkt Fleischverpackungen mit solchen Begriffen und Fotos von glücklichen Tieren in freier Natur bedruckt sind, können Sie also dennoch Produkte bekommen, die kaum mehr als die gesetzlichen Mindestanforderungen zur Tierhaltung erfüllen. Transparenz und Informationen sind jedoch für eine gezielte Kaufentscheidung wichtig.

Im Vortrag werden die gesetzlichen Vorgaben und die Vielzahl an freiwilligen Tierwohl-Siegeln von Erzeugern und Handel durchleuchtet.
Bitte melden Sie sich auf der Internetseite der Verbraucherzentrale über „Termine & Veranstaltungen“ zu diesem Vortrag an.
Oder nutzen Sie diesen Link www.verbraucherzentrale-mv.eu/veranstaltungen.

Welches Ei steckt in der Nudel?

Aus welchem EU-Land das frische rohe Ei stammt und ob die Hühner, die es gelegt haben, in Bodenhaltung leben oder in einer anderen Haltungsform – diese Information findet der Verbraucher seit 2004 auf dem Ei.

Durch den sogenannten „Erzeugercode“ ist diese Information im Stempel auf dem Ei verschlüsselt. Das führte dazu, dass im deutschen Handel keine Käfigeier mehr angeboten wurden, da Verbraucher sie nur ungern kaufen.

Stammten im Jahr 2008 noch 60 Prozent der hierzulande produzierten Eier aus Käfighaltung, sind es heute weniger als zehn Prozent aus „ausgestalteten Käfigen“. Nach EU-Recht dürfen Legehennen noch bis 2025 so gehalten werden. Auch wenn für diese Käfige ein Legenest, Einstreu und Sitzstangen vorgeschrieben sind: sie bleiben mit 800 Quadratzentimeter pro Henne sehr eng. Die Tiere haben etwas mehr Platz als auf einem A4-Blatt.

Aber nur ungefähr die Hälfte der in Deutschland gegessenen Eier wird frisch gekauft. Die andere Hälfte steckt in eihaltigen Lebensmitteln oder wird in der Gastronomie verzehrt, berichtet Simone Goetz von der Verbraucherzentrale M-V.

Foto: Nudeln im Topf Quelle: VZ MV

Bei Eiernudeln, Backwaren, Fertiggerichten oder Mayonnaise gehen aber wichtige Informationen verloren. Hier ist eine Kennzeichnung von Haltungsform und Herkunft nicht vorgeschrieben, klärt Simone Goetz auf. Eier für die Verarbeitung werden häufig aus Ländern importiert, in denen, anders als in Deutschland, noch große Mengen Käfigeier erzeugt werden. Das sind z. B. Polen, Frankreich oder auch Spanien.

Seit Jahren fordert deshalb die Verbraucherzentrale M-V, dass die Haltungsform der Legehennen auch für Eier angegeben werden muss, die in Lebensmitteln verarbeitet werden. Nur so hat der Verbraucher eine Entscheidungsmöglichkeit.

Aber auf freiwilliger Basis geben manche Unternehmen schon heute die Haltungsform der Legehennen auf eihaltigen Lebensmitteln an. Fast immer handelt es sich dabei um Eier aus Bodenhaltung.

Bei zahlreichen Herstellern von Eiernudeln, von Back- und Süßwaren sowie bei vielen Eigenmarken des Lebensmitteleinzelhandels findet man diesen Hinweis. Dort wird also auf die Verarbeitung von Käfigeiern verzichtet.

Online-Vortrag zur Kinderernährung

Foto: © Cathy Yeulet/123RF.com

Kinder sind kaufkräftige Kunden von heute und morgen. Das Angebot von Lebensmitteln speziell für Kinder, so genannten Kinderlebensmitteln, hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. Die bunten Verpackungen, Aufkleber und Sammelfiguren machen die Lebensmittel für Kinder attraktiv. Eltern werden mit der Extra-Portion Gesundheit zum Kauf der vermeintlich gesunden Kost animiert. Sie haben es oft nicht leicht, hier den Überblick zu behalten und ihren Kindern eine ausgewogene Kost auf den Tisch zu bringen.

Im ersten Teil des Vortrages werden Werbung und Wirklichkeit für Kinderlebensmittel näher beleuchtet. Danach wird aufgezeigt, was wirklich wichtig ist für eine gesunde Kinderernährung und wie man dieses praktisch umsetzen kann.

Der einstündige Vortrag findet am 22. April 2021 um 10 Uhr statt. Bitte melden Sie sich auf der Internetseite der Verbraucherzentrale MV unter „Termine & Veranstaltungen“ zu diesem Vortrag an. Alternativ ist die Nutzung dieses Links: www.verbraucherzentrale-mv.eu/veranstaltungen.

Gelb und gesund? Bei Kurkuma kommt es auf die richtige Menge an

Foto: Verbraucherzentrale MV, Kurkumaprodukte

Kurkuma ist ein asiatisches Gewürz und wichtige Zutat in Currymischungen. Lebensmittelhersteller verwenden es gerne als Farbstoff E100 oder als färbenden Gewürzextrakt, weil Wurzel und Pulver leuchtend gelb aussehen. Der Wurzel werden viele gesundheitliche Wirkungen zugeschrieben, ob bei Arthrose, Krebs oder Diabetes. Wissenschaftlich nachgewiesen sind diese Wirkungen meist nicht.

Auf die Verdauung wirkt Kurkuma größtenteils positiv. Es kann zum Beispiel bei Völlegefühl oder bei leichten Beschwerden wie Blähungen helfen. Überdosiert kann Kurkuma allerdings genau das Gegenteil bewirken und Übelkeit oder Sodbrennen hervorrufen. Der Bestandteil der Wurzel, der das bewirkt und auch die gelbe Farbe hervorruft, ist das Curcumin. „Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bewertet drei Milligramm Curcumin pro Kilogramm Körpergewicht am Tag als unbedenklich“, berichtet Simone Goetz von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern.

In der Kurkuma-Wurzel stecken rund fünf Prozent dieses Farbstoffes. Wird mit der Wurzel oder dem daraus hergestellten Gewürzpulver gekocht, werden diese Mengen bei Erwachsenen sicher nicht so oft überschritten. Auch in Ingwer-Kurkuma-Shots – kleinen Saftfläschchen mit Gewürzanteil – sind die Curcuminmengen überschaubar. Größere Mengen Kurkumapulver werden hingegen in manchen Rezepten für „Goldene Milch“ oder Kurkuma Latte, einem Gewürzgetränk aus der Ayurvedischen Medizin, verwendet.

Wer Nahrungsergänzungsmittel mit Curcumin wählt, der sollte besonders darauf achten, dass die genaue Menge angegeben ist, rät Simone Goetz. „Extra-stark“ ist hier kein Vorteil oder Qualitätsmerkmal. Da der Körper Curcumin nur begrenzt aufnimmt, wird in Nahrungsergänzungsmitteln gern noch mit Piperin aus Pfeffer gearbeitet. Es soll die Bioverfügbarkeit, also die Aufnahme im Darm, verbessern. Anders als beim normalen Würzen mit Pfeffer kann isoliertes Piperin aber gleichzeitig die Wirkung von Arzneistoffen verstärken.

Was bedeutet die Angabe "plastikfrei" auf Kaugummi?

Foto: VZMV_Kaugummis

Klein, süß, atemerfrischend und im Idealfall zahnfreundlich – Kaugummi ist beliebt. Für den Geschmack sorgen Aromen, Zucker und Süßungsmittel. Auch Emulgatoren, Stabilisatoren, Antioxidationsmittel und Farbstoffe sind häufig in Kaugummi enthalten. Was genau davon drin ist, findet man in der Zutatenliste.

„Der Hauptbestandteil ist jedoch die Kaumasse. Woraus diese besteht, ist nicht kennzeichnungspflichtig“, sagt Antje Degner von der Verbraucherzentrale MV.

Was viele nicht wissen: In den meisten Fällen enthält die Kaumasse Kunststoffe auf Erdölbasis, beispielsweise Polyvinylacetat oder Butylkautschuk. Beide sind für den Menschen unverdaulich und gelten als ungiftig. Wenn ein Kaugummi versehentlich verschluckt wird, wird die Kaumasse unverdaut wieder ausgeschieden. Die Kunststoffe sind biologisch nicht abbaubar und verbringen die nächsten Jahrzehnte als Plastikmüll in der Landschaft, wenn sie nicht im Mülleimer entsorgt wurden.

Seit einiger Zeit gibt es Kaugummis auf dem Markt, deren Kaumassen aus natürlichen Rohstoffen hergestellt werden. Eingesetzt werden zum Beispiel Chiclegummi aus dem Milchsaft tropischer Sapotengewächse, Naturkautschuk von Kautschukbäumen oder europäisches Baumharz (zum Beispiel von der Schwarzkiefer). Allerdings lässt sich mit diesen Naturstoffen der Weltmarktbedarf bisher nicht decken. Außerdem kann man mit plastikfreien Kaugummis keine Blasen machen.

Insekten essen? Studie zeigt Verbrauchererwartung zu insektenhaltigen Lebensmitteln

Das Wichtigste in Kürze

  • Verbraucher:innen haben hohe Erwartungen an Kennzeichnung und Sicherheit der Produkte
  • Mögliche allergische Reaktionen gegen Insekten sind Studienteilnehmer/innen nicht bekannt und zudem wenig erforscht – entsprechender Allergenhinweis ist zwingend notwendig
  • Fokusgruppenbefragung stützt Forderungen der Verbraucherzentralen

Eine qualitative forsa-Befragung im Auftrag der Verbraucherzentralen erfasste die Einstellung von Verbraucher:innen zu Speiseinsekten. Im Fokus standen Personen, die bereits insektenhaltige Lebensmittel essen oder bereit wären, diese zu probieren. Zusätzlich wurden Personen mit Allergien oder Lebensmittelunverträglichkeiten befragt.

Mehlwürmer, Grillen und Co. sind neuartige Lebensmittel, deren Zulassung in Europa überwiegend noch aussteht. Gleichzeitig machen Übergangsregelungen eine Vermarktung bestimmter Insektenprodukte als Lebensmittel bereits jetzt möglich.

Wahrnehmung insektenhaltiger Lebensmittel

Für die Studienteilnehmer/innen sind insektenhaltige Lebensmittel Nischenprodukte, die im Handel kaum angeboten werden. Sie gelten als exotisch und gewöhnungsbedürftig. Hauptargumente für die Befragten, Insekten zu konsumieren, sind hauptsächlich der erwartete hohe Proteinanteil und die Möglichkeit Fleisch zu ersetzen. Barrieren für den Insektenverzehr sind die Unsicherheit über den Geschmack und die für einige Personen wenig ansprechende Optik der Tiere. Auch scheint es den Teilnehmer:innen schwer vorstellbar, sich an diesen satt zu essen. Da Insekten derzeit nur selten im Handel zu finden sind, werden hohe Preise toleriert. Für einen alltäglichen Einsatz im Speiseplan müssten die Preise jedoch deutlich fallen.

Allergenes Potenzial von Insekten ist kaum bekannt

Vor allem Personen mit einer Unverträglichkeit gegen Krustentiere und Hausstaubmilben könnten auch auf Insekten allergisch reagieren. Den meisten Befragten ist bekannt, dass verschiedene Lebensmittel Unverträglichkeiten und Allergien auslösen können. Spontan wird Insekten jedoch kein erhöhtes allergenes Potenzial zugeschrieben.

Die Studienteilnehmer/innen erwarten in Deutschland eine gut sichtbare Kennzeichnung auf der Verpackung. Insbesondere für Allergiker ist das ein wichtiger Aspekt. „Das allergene Potenzial von Insekten ist bisher wenig erforscht und noch nicht abschließend geklärt. Daher erwarten wir von den Zulassungsbehörden, dass es bei insektenhaltigen Lebensmitteln zukünftig einen verbindlichen Hinweis auf der Vorderseite der Verpackung gibt. Dieser muss eindeutig und gut erkennbar auf mögliche allergische Reaktionen auf Schalen- und Krustentiere sowie Hausstaubmilben aufmerksam machen“, sagt Sandra Reppe von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Verwendungshinweise

Wie man die neuartigen und unbekannten Insekten verwendet, sollte laut dieser Studie auf der Verpackung stehen. Dass Insekten ähnlich wie Fleisch mikrobiologisch sensibel sind, ist Vielen nicht bekannt. Ohne klare Angaben zur Verwendung gehen die Befragten davon aus, dass sie das Produkt direkt verzehren können. Andernfalls wird ein konkreter Hinweis, etwa zur Erhitzung vor dem Verzehr erwartet. „Das Ergebnis stützt unsere Forderung aus dem Marktcheck vom letzten Jahr. Es muss deutlich angegeben werden, ob ganze Insekten direkt verzehrt werden können oder zuvor erhitzt werden müssen“, so Sandra Reppe.

Werbeaussagen zu hohen Proteingehalten

Vor allem sportliche, männliche Teilnehmer erwarten aufgrund der Werbung höhere Proteingehalte von insektenhaltigen Lebensmitteln als von Herkömmlichen. „Dies ist jedoch nicht bei allen insektenhaltigen Produkten der Fall. Selbst wenn mit „proteinreich“ geworben wird, müssen nach den gesetzlichen Vorgaben lediglich 20 Prozent des Energiegehaltes auf Proteine entfallen.“, so Sandra Reppe. Bedenkt man zusätzlich die geringen Mengen, die gegessen werden, relativiert sich die tatsächliche Proteinaufnahme sehr schnell.

Weitere Informationen: www.verbraucherzentrale-mv.eu/novel-food-studie

Wie viele Hülsenfrüchte sind drin?

Foto: Hülsenfrüchte, Quelle: VZ MV

Am 10. Februar ist „Internationaler Tag der Hülsenfrüchte“. Die Verbraucherzentrale MV hat dies zum Anlass genommen, einige Brotaufstriche mit Hülsenfrüchten genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Ergebnis: Mit der Aufmachung und dem Produktnamen werden bei Verbrauchern mitunter falsche Erwartungen geweckt. Rechtlich sind die Produkte aber oft nicht zu beanstanden.

Beispielsweise ein Brotaufstrich mit der Aufschrift „kichererbse & tomate“ auf der Vorderseite des Produktes: Wer hier Kichererbsen als Hauptzutat erwartet, irrt. Anhand der Bezeichnung „Pflanzlicher Bio-Brotaufstrich mit Sojabohnen und Kichererbsen“, die man auf der Rückseite findet, wird immerhin klar, dass das Produkt auch größere Mengen an Sojabohnen enthält. Ein Blick in die Zutatenliste verrät, dass der Brotaufstrich zur Hälfte aus Tomatenmark bzw. Tomaten besteht. Kichererbsen machen lediglich zehn Prozent des Produktes aus.

Andere Produkte waren wesentlich besser gekennzeichnet und enthielten teilweise auch größere Mengen von den auf der Vorderseite beworbenen Hülsenfrüchten.

Wird eine Zutat in seiner Bezeichnung genau benannt bzw. hervorgehoben, ist der Hersteller verpflichtet, die Menge dieser Zutat in Prozent anzugeben. Meist erfolgt das in der Zutatenliste. Bei Produkten mit Hülsenfrüchten bleiben allerdings selbst nach einem genaueren Blick in die Zutatenliste Unklarheiten bestehen. So bezogen sich die Anteile der Hülsenfrüchte mal auf getrocknete, mal auf gekochte Hülsenfrüchte. Manche Hersteller machten keine genaueren Angaben dazu. Ein Vergleich verschiedener Aufstriche ist so für Verbraucher schwierig.