Corona-Situation macht Einschränkungen erforderlich

Die steigende Zahl von Corona-Patienten und der damit verbundene erhöhte Platz- und Personalbedarf machen es erforderlich, andere Leistungen im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum erneut vorübergehend einzuschränken.

Seit Freitag, 9. April 2021, werden verschiebbare Aufnahmen und Eingriffe am Standort Neubrandenburg weitgehend ausgesetzt, um genügend Personal für die Isolierbereiche zu gewinnen und die Kapazitäten für Patienten mit COVID-19 erweitern zu können.

Dringliche Therapien werden selbstverständlich weiter durchgeführt und Notfälle behandelt.

Klinikum reagiert auf die Corona-Entwicklung

Das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum richtet sich auf einen erhöhten Platz- und Personalbedarf in den Corona-Isolierbereichen ein. Aktuell (Stand 29.03.21) werden 33 COVID-19-Patienten im Klinikum behandelt, davon 11 auf der Intensivstation.

Bereits in der vergangenen Woche wurde der Isolierbereich für nicht intensivtherapiepflichtige Corona-Patienten erweitert. Ab dieser Woche ist die Bethesda Klinik wieder als Ersatzkrankenhaus angemeldet. Die Fachklinik für geriatrische Rehabilitation ist ein Tochterunternehmen des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums und soll Patienten aus dem Krankenhaus aufnehmen, die dort fachlich sehr gut betreut werden können. Dadurch kann im Klinikum geeignetes zusätzliches Personal für die Corona-Bereiche gewonnen werden.

Zum Schutz der Patienten und Mitarbeitenden bleibt das Besuchsverbot weiterhin bestehen. Auch der Nachweis eines negativen Schnelltests hebt dies nicht auf. Ausnahmen sind nur nach Rücksprache mit dem ärztlichen Dienst möglich. Das Klinikum möchte damit Risiken durch mögliche Ansteckungen minimieren. Zusätzliche Ausfälle beim Personal würden die Patientenversorgung gefährden.

Corona-Bereich im Klinikum wieder erweitert

Aufgrund der erneut ansteigenden Zahl von COVID-19-Patienten hat das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum zu Wochenbeginn den Isolierbereich für nicht intensivtherapiepflichtige Corona-Patienten erweitert.

Aktuell (Stand 23.03.21) werden 32 COVID-19-Patienten im Klinikum behandelt, davon 10 auf der Intensivstation. Das Klinikum ist darauf vorbereitet, die Isolierbereiche bei Bedarf weiter zu vergrößern und zusätzliches Personal in den Bereichen einzusetzen.

Nachdem die kardiologische Station infolge eines Corona-Ausbruchs in der vergangenen Woche geschlossen werden musste, nimmt sie inzwischen wieder Patienten auf.

Station nach Ausbruchsgeschehen geschlossen

Nach einem Corona-Ausbruch auf der Station der Kardiologie des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums Neubrandenburg, bei dem 7 Patienten in den vergangenen Tagen positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, muss die Station zunächst geschlossen bleiben. Es werden dort bis Ende dieser Woche keine neuen elektiven Patienten aufgenommen. Auch andere internistische planbare Untersuchungen und Eingriffe werden bis einschließlich Freitag ausgesetzt.

Die Ursache für den Ausbruch ist bisher nicht bekannt. Er wurde im Rahmen standardisierter Überwachungsmaßnahmen bei den Patienten festgestellt. Die Patienten, bei denen es der Gesundheitszustand erlaubte, wurden in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt in häusliche Quarantäne entlassen. Alle anderen Patienten wurden isoliert und werden weiter behandelt. Mitarbeitende sind nach bisherigem Kenntnisstand nicht betroffen, es liegen aber noch nicht alle Testergebnisse vor.

MVZ sichert Erhalt von Augenarztpraxis

Drei Jahre lang hat die Neustrelitzer Augenärztin Beate Wegner vergeblich einen Nachfolger für ihre Praxis in der Augustastraße 19 gesucht. Jetzt ist eine Lösung gefunden. Die Praxis wird seit Jahresbeginn vom Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Neubrandenburg-Mitte betrieben, das Team ist geblieben. „Ich arbeite gern weiter, aber mir werden jetzt viele administrative Aufgaben abgenommen“, freut sich Beate Wegner, die seit 1995 als niedergelassene Augenärztin arbeitete. „Und die Patienten freuen sich auch, dass wir noch da sind“, sagt sie.

Das MVZ betreibt bereits seit Jahren eine Augenarztpraxis in der Neubrandenburger Kranichstraße und hat dort vor einigen Monaten das Angebot erweitert. Orthoptistin Melanie Schewe behandelt an zwei Tagen in der Woche Kinder und Jugendliche mit Sehschwächen und Sehstörungen und bietet Untersuchungen der Sehfunktionen an. „Alle Kinder sollten bis zum Alter von zwei Jahren zu einem augenärztlichen Screening. Je früher man Sehschwächen erkennt, desto besser sind die Behandlungserfolge“, erklärt sie.

Das MVZ Neubrandenburg-Mitte gehört zur Poliklinik am Dietrich Bonhoeffer Klinikum gGmbH, die ein Tochterunternehmen des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums ist.

Informationen für werdende Eltern

Trotz des derzeitigen Besuchsverbots und der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie setzt das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum die Veranstaltungsreihe „Sicher und geborgen“ für werdende Eltern fort. Vor der Geburt eines Kindes gibt es erfahrungsgemäß viele Fragen rund um die Entbindung, die unsere Ärzte, Hebammen und Pflegekräfte gern beantworten möchten.

Die nächste planmäßige Veranstaltung findet am 11. März 2021 statt. Der gewohnte Rundgang durch den Kreißsaal und über die Entbindungsstation ist leider nicht möglich, aber es wird ein kurzer virtueller Eindruck vermittelt. Außerdem müssen sich interessierte Paare anmelden, Kinder dürfen am Informationsabend nicht teilnehmen. Im Klinikum ist zudem das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckung vorgeschrieben.

Um die Abstandsregelung einhalten zu können, ist nur eine begrenzte Anzahl von Teilnehmern im Konferenzraum des Hauses G (Bethesda Klinik) erlaubt. Deshalb bietet die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an dem Tag zwei Termine an, um 16:30 und 18 Uhr. Anmelden kann man sich per E-Mail an gyn-sb@dbknb.de.

Die Teilnehmer der Veranstaltung sollten sich rechtzeitig einfinden, da sie erst durch den Empfangspunkt am Haupteingang müssen, wo eine Selbstauskunft auszufüllen ist. Das Formular kann man sich auch im Vorfeld von der Internetseite des Klinikums (dbknb.de/dbk/gf/aktuelles-zu-corona) herunterladen und vorab ausfüllen.

COVID-19: Mit Erfahrung gegen das Virus

Interview mit dem Chefarzt der Anästhesiologie und Intensivmedizin zur Behandlung von Corona-Patienten am Klinikum

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie haben Mediziner und Pflegekräfte im Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum umfangreiche Erfahrungen in der Therapie von Corona-Patienten gesammelt. Bis Ende Januar 2021 wurden insgesamt 414 Patienten mit COVID-19 stationär im Klinikum behandelt, mehr als 90 Prozent von ihnen kamen mit der zweiten Welle ab Mitte Oktober 2020. 80 Corona-Patienten mit besonders schweren Verläufen benötigten in dem Zeitraum eine intensivmedizinische Behandlung, etwa 50 von ihnen mussten beatmet werden. Überwiegend sind alte, gebrechliche Menschen von schweren Verläufen betroffen, aber es gibt auch zunehmend Ausnahmen, wie Dr. med. Knut Mauermann, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, weiß.

Mussten auf der Corona-Intensivstation auch schon jüngere Menschen mit schweren Verläufen behandelt werden?

Das ist die Ausnahme, kommt aber zunehmend vor. Der jüngste Patient war 37 Jahre alt. Das Durchschnittsalter liegt allerdings bei 76 Jahren, der älteste Patient war 93 Jahre alt. Die meisten COVID-19-Patienten auf der Intensivstation sind in betagtem Alter, kommen zum Teil aus Pflegeeinrichtungen, haben Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Adipositas, Diabetes mellitus oder leiden an einer koronaren Herzerkrankung.

Das bedeutet auch, dass manche Patienten nicht nur an den Folgen der Corona-Erkrankung leiden.

Das ist richtig, mitunter sind Patienten mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert, aber eine andere akute Erkrankung ist ausschlaggebend für ihren kritischen Zustand. Die Mehrheit jedoch muss wegen Lungenversagens durch die Viruserkrankung intensivmedizinisch behandelt werden. Die meisten Patienten haben Luftnot, einen sehr niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut, oft auch weitere andere Organfunktionsstörungen und zum Teil hohes Fieber, wenn die durch die Viruserkrankung geschädigte Lunge zusätzlich durch eine bakterielle Superinfektion belastet wird.

Seit Beginn der Pandemie hat man immer wieder neue Erkenntnisse für die Therapie gewonnen. Nach wie vor bewährt sich auf Ihrer Corona-Intensiv­station aber ein seit dem Frühjahr 2020 geltender Standard.

Ja, wir haben ein standardisiertes Behandlungsschema, welches wir immer wieder aktualisieren, unter anderem mit Aussagen zur Diagnostik und Therapie, inklusive Beatmung und Lagerungstherapie. Hierbei handelt es sich um ein Grundgerüst, welches in Abhängigkeit vom klinischen Verlauf der Erkrankung für jeden Patienten zusätzlich individualisiert wird. So ein Standard ist wichtig, denn wenn man therapeutische Ansatzpunkte verändert, möchte man auch beobachten, inwieweit sich dadurch Behandlungsergebnisse beeinflussen lassen.

Gehört der Einsatz antiviraler Wirkstoffe wie Remdesivir zum Standard dazu?

Nein, routinemäßig nicht. Remdesivir kann in der frühen Phase hilfreich sein, aber wir sehen die Patienten eher in der späteren Phase der Erkrankung. Wir haben das Mittel nur in wenigen Fällen angewandt, sodass wir keine generelle Aussage zur Wirksamkeit treffen können. Wir geben Patienten, bei denen eine Beatmung erforderlich ist, Dexamethason, dies ist ein antientzündlich wirkendes Kortikosteroid. Eine britische Studie hat gezeigt, dass es die Sterblichkeit bei beatmungspflichtigen Patienten um ca. 40 % reduziert. Seit es die ersten Hinweise aus England gab, wenden wir das Medikament bereits an. Im Übrigen gehört auch die Behandlung mit Antikörpern in die frühe Phase der COVID-19-Erkrankung.

Trotzdem sterben viele Corona-Patienten auf der Intensivstation.

Ja, die Mortalität ist hoch. Circa 40 Prozent unserer intensivpflichtigen COVID-19-Patien­ten sterben auf der Intensivstation oder nach Verlegung auf die Normalstation im weiteren Verlauf. Allerdings sind auch zahlreiche Patienten unter den Verstorbenen, die aufgrund eines erfüllten Lebens, ihres hohen Lebensalters oder ihrer schwerwiegenden vorbestehenden gesundheitlichen Einschränkungen eine sogenannte invasive Beatmung oder andere erforderliche Therapien ablehnen. In der Mehrheit haben die Patienten mit töd­lichem Verlauf ein sehr hohes Durchschnittsalter, aber nicht nur! Die Patienten, die das Lungenversagen überlebt haben, wurden regelmäßig in Bauchlage gebracht, länger beatmet – im Durchschnitt pro Fall etwa 200 Stunden – und mussten teilweise auch mit einem Luftröhrenschnitt versehen werden. Insgesamt dauert der Genesungsprozess mehrere Wochen.

Ist es der Regelfall, dass Corona-Patienten mehrere Wochen auf der Intensivstation liegen?

Die durchschnittliche Verweildauer betrug bis Ende Januar etwa 17 Tage. Einige Patienten müssen deutlich länger intensivtherapeutisch behandelt werden, andere können dank der Besserung ihres Zustandes relativ schnell auf die Corona-Normalstation verlegt werden. Leider gibt es auch immer wieder sehr schwer erkrankte Patienten, die bereits nach kurzer Zeit versterben.

Aus Ihren Erfahrungen als Intensivmediziner fordern Sie Menschen immer wieder auf, den eigenen Willen in Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung deutlich zu machen. Das hat mit Corona sicherlich zusätzlich an Bedeutung gewonnen.

Es kann jeden treffen, deshalb ist es wichtig vorzusorgen, sobald man volljährig ist. Ich sage immer wieder: Benennen Sie einen Bevollmächtigten, der Ihre Interessen vertritt, besprechen Sie, was Ihnen wirklich wichtig ist, insbesondere wenn Sie schwer erkranken! Machen Sie sich Gedanken – damit Angehörige mit solchen Entscheidungen nicht allein gelassen und überfordert werden!

Wie ist die Versorgung der Corona-Patienten grundsätzlich im Haus geregelt?

Wir haben den peripheren Isolierbereich, der getrennt ist in einen Bereich für Patienten mit Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion und einen für Patienten mit positivem Testergebnis. Die Patienten, deren Zustand sich dort stark verschlechtert, oder die schon in einem sehr schlechtem gesundheitlichen Zustand ins Krankenhaus eingeliefert werden, kommen auf die Intensivstation, die in 3 Bereiche gegliedert ist: einen für Akutpatienten, die negativ getestet sind und auch keine entsprechenden Symptome haben, einen für Corona-Verdachtspatienten und Kontaktpersonen sowie einen für positiv getestete Intensivpatienten.

2021 hat so begonnen, wie 2020 endete: mit einer großen Zahl von COVID-19-Patienten im Klinikum. Erst seit Ende Januar gehen die Gesamtzahlen leicht zurück. Ist das Grund für Optimismus?

Die Krise ist noch lange nicht vorbei. Es gibt noch viele nicht oder nur unzureichend beantwortete Fragestellungen. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die Wirksamkeit und die Wirkdauer des Impfschutzes insbesondere unter dem Aspekt, dass das SARS-CoV-2-Virus immer wieder Mutationen hervorbringen wird. Wir wissen nicht, wie lange wir uns noch auf eine Situation einstellen müssen, wie wir sie heute haben. Deshalb benötigen wir dringend ein zukunftsweisendes Konzept für den alltäglichen Umgang mit dieser Infektionserkrankung und die Integration in die allgemeinen Abläufe der Gesellschaft (Kinderbetreuung, Schule und Studium, Beruf und Gesundheitsfürsorge etc.) – bestehend aus Abstand, Hygieneregeln, Immunisierung und Verlaufskontrolle.