Innenministerium lehnt Regenbogenflagge vor dem Rathaus ab Tore-Stadt wird dennoch bunt

Die Regenbogenflagge wird anlässlich des Christopher Street Days (CSD) nicht vor dem Neubrandenburger Rathaus gehisst werden können. Das Ministerium für Inneres und Europa des Landes hat dies abgelehnt. Die Stadtvertretung der Vier-Tore-Stadt hatte während der jüngsten Sitzung einen entsprechenden Beschluss zum Hissen der Regenbogenflagge vor dem Neubrandenburger Rathaus gefasst und sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass vom 7. bis 14. August die Regenbogenflagge vor dem Rathaus wehen soll.

„Die Entscheidung aus dem Innenministerium ist eindeutig und zu akzeptieren“, betonte Oberbürgermeister Silvio Witt. „Wir werden dennoch in der CSD-Woche Flagge zeigen, nun wie gewohnt am Bahnhof. Es würde mich freuen, wenn sich viele Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger dem anschließen und ebenfalls die Regenbogenflagge kreativ präsentieren.“

In der Begründung bezieht sich das Ministerium auf die Beflaggungsverordnung Mecklenburg-Vorpommerns. Mit dieser Verordnung ist festgelegt, welche Flaggen vor Dienstgebäuden der unmittelbaren und mittelbaren Landesverwaltung zugelassen sind. „Die Beflaggung öffentlicher Gebäude zielt darauf ab, zu besonderen Anlässen durch das Zeigen hoheitlicher Symbole die Verwertung von bestimmten Ereignissen durch staatliche und andere öffentliche Stellen zu demonstrieren“, heißt es. „Daher sind gerade an öffentlichen Dienstgebäuden persönliche, politische oder weltanschauliche Bekenntnisse oder Symbole zu vermeiden, auch wenn diese in tatsächlicher Hinsicht sowohl von der Politik als auch von Teilen der Bevölkerung als begrüßenswert erachtet werden.“ Der Regenbogenflagge komme diese hoheitliche Funktion nicht zu und ein hoheitsbezogener Anlass liege ebenfalls nicht vor. Das Innenministerium hat aus diesen Gründen den Antrag der Vier-Tore-Stadt abgelehnt.

Gleichzeitig wird in dem Schreiben darauf hingewiesen, dass das Setzen der Flagge an anderer Stelle durchaus möglich ist.

Fotos: Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg

Neubrandenburg wird sich in der CSD-Woche bunt zeigen. Unter dem Motto „FARBE BEKENNEN Im Land der 1000 Seen“ ruft der Verein queerNB e.V. zur Christopher-Street-Day-Demonstration am 14. August durch die Vier-Tore-Stadt auf. Beginn ist um 13 Uhr auf dem Markt. Damit wollen die Aktivist*innen sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Menschen einsetzen. Die Schirmherrschaft haben Oberbürgermeister Silvio Witt und Oberstleutnant Anastasia Biefang, die erste offen transgeschlechtliche Bataillonskommandeurin der Bundeswehr.

Auch die Turmstraße wird sich an diesem Tag in den Regenbogenfarben zeigen. Die Vier-Tore-Stadt hat anlässlich des CSD gemeinsam mit Vereinen, Einrichtungen, Institutionen und Unternehmen die Aktion „RegenbogenSchirm“ ins Leben gerufen. Seit Monaten wurden 100 Schirme von den Teilnehmern individuell gestaltet. Die Regenschirme werden in der Turmstraße aufgespannt, als ein buntes Zeichen für Vielfalt und Akzeptanz.

Christopher Street Day am 14. August in Neubrandenburg

CSD 2019 in Neubrandenburg (Foto: queerNB e.V.)

Im Jahr 2018 fand erstmals in Neustrelitz eine CSD-Demo statt. Im Jahr darauf hatte Neubrandenburg seine CSD-Premiere. Seitdem wechselt der Demonstrationsort von Jahr zu Jahr zwischen den beiden Städten.

Die Planung für den zweiten Christopher Street Day (CSD) in Neubrandenburger geht voran. Der Verein queerNB hat nun den Termin für die Demonstration festgelegt. Diese soll am 14. August 2021 stattfinden.

Aufgrund der Corona-Pandemie wird es dieses Jahr wahrscheinlich kein großes Straßenfest mit Infoständen und Bühnenprogramm geben. Dafür soll die Demo-Strecke länger als bei der Premiere im Jahr 2019 werden, als über 400 Menschen durch das Jahn-Viertel und die Innenstadt zogen.

Um den 14. August herum sollen außerdem verschiedene Veranstaltungen geben, welche die Themen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in den Vordergrund rücken. Personen, Vereine, Unternehmen und andere Organisationen, die sich daran beteiligen wollen, sind aufgerufen sich per E-Mail an info@queernb.de mit dem Verein in Verbindung zu setzen.

Der CSD erinnert an die Stonewall-Aufstände in New York vor über 50 Jahren, als sich Lesben und Schwule zum ersten Mal gegen Polizeirazzien in der Szene gewehrt hatten. „Seitdem gab es rechtlich viele Verbesserungen, wie zuletzt die Einführung der dritten Geschlechtsoption im Personenstandsrecht. Dennoch sind homophobe Anfeindungen oder rechtliche Benachteiligung, wie das Blutspendeverbot, auch heute noch wichtige Gründe einer solchen Demonstration“, so Marcel Spittel vom Verein queerNB.

Im Jahr 2018 fand erstmals in Neustrelitz eine CSD-Demo statt. Im Jahr darauf hatte Neubrandenburg seine CSD-Premiere. Seitdem wechselt der Demonstrationsort von Jahr zu Jahr zwischen den beiden Städten.

Veranstaltung anlässlich der Christopher-Street-Day-Woche in Neustrelitz

Am Sonnabend, 22.08.2020, fand in der Zeit von 14:00 bis 19:00 Uhr in Neustrelitz eine Versammlung unter freiem Himmel mit Aufzug als Abschlussveranstaltung anlässlich der Christopher-Street-Day-Woche statt.

An der Versammlung nahmen 420 Personen teil. Alle Teilnehmer hielten ein friedliches und geselliges Statement für Offenheit, Vielfalt und Toleranz ab, so dass die Demonstration aus polizeilicher Sicht ohne nennenswerte Vorkommnisse störungsfrei verlief. Vom Versammlungsleiter wurde mit hohem Engagement für die Einhaltung der Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung von Infektionskrankheiten gesorgt. Der Bürgermeister der Stadt Neustrelitz, Andreas Grund, sowie der Oberbürgermeister der Stadt Neubrandenburg, Herr Silvio Witt, nahmen als Schirmherren an der Versammlung teil.

Es kam zu geringen Verkehrseinschränkungen im Aufzugsbereich, die jedoch auf das unbedingt notwendige Maß begrenzt werden konnten. Der Einsatz wurde durch Mitarbeiter des Polizeihauptreviers Neustrelitz durchgeführt.

Regenbogen auch ohne Regenwetter: Ab Samstag weht die Regenbogenflagge vor dem Bahnhof

„Wir sind hier. wir sind queer“ lautet das Motto des Neubrandenburger Christopher Street Day (CSD), den der Verein queerNB am 24. August groß feiern will. Doch schon eine Woche vorher wird es in Neubrandenburg und Neustrelitz Aktionen geben.

So wird am kommenden Samstag, 17. August, um 16 Uhr Oberbürgermeister Silvio Witt gemeinsam mit Mitgliedern des Vereins die Regenbogenflagge vor dem Neubrandenburger Bahnhof hissen. Dort wird die Flagge eine Woche lang wehen, bis es am 24. August erstmals in Neubrandenburg einen CSD-Demonstrationszug geben wird. Damit setzt die Stadt Neubrandenburg ein wichtiges Zeichen für die Akzeptanz der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt.

Denn klar ist: Auch nach der Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare im Jahr 2017 gibt es noch einiges zu tun: Neben der Abschaffung des Blutspendeverbots für Männer, die Sex mit Männern haben, fordert der CSD Neubrandenburg unter mehr Sichtbarkeit queeren Lebens in Medien und Werbung schaffen.

Silvio Witt hat gemeinsam mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig die Schirmherrschaft für den CSD übernommen. Den ersten CSD gab es bereits im Jahr 1998 als Infomeile in der Turmstraße. Im Jahr 2002 hisste Stadtpräsidentin Dolores Brunzendorf gemeinsam mit André Sandmann von der INITIATIVE ROSA-LILA bereits die Regenbogenflagge am Rondell vor dem Rathaus. Mit Silvio Witt hisst nun erstmals ein Neubrandenburger Oberbürgermeister die Flagge.

Alle Programmpunkte der CSD-Woche:

Samstag, 17. August: 16 Uhr Hissen der Regenbogenflagge vor dem Bahnhof Neubrandenburg mit dem Oberbürgermeister.

Montag, 19. August: 18 Uhr CSD-Andacht, Kirche der Friedensgemeinde, Semmelweisstr. 50, Neubrandenburg

Dienstag, 20. August: 17 & 20 Uhr Filmabend „Stonewall“, INITIATIVE ROSA-LILA, Tilly-Schanzen-Str. 17, Neubrandenburg

Mittwoch, 21. August: 19 Uhr Queer-Strelitz liest im Wartezimmer, Arztpraxis Guido Antonow, Parkstr. 37, Neustrelitz

Donnerstag, 22. August: 14 Uhr Gedenken am Frauenehrenmal Neubrandenburg; 17 Uhr Autorenlesung „Heteros fragen, Homos antworten“, Standesamt, Friedländer Tor 1, Neubrandenburg

Freitag, 23. August: 18 Uhr B² – Bier und Basteln, Neubrandenburg

Samstag, 24. August: 14 Uhr Demobeginn, Busbahnhof Neubrandenburg, 16 Uhr CSD-Torfest (Bühnenprogramm und Infomeile), Friedländer Tor, 22 Uhr AFTER CSD NB. Die Party, SCALA EVENT CENTER, An der Hochstraße 4, Neubrandenburg

Vor über 20 Jahren: Erster CSD in Neubrandenburg

Ein Blick in das Archiv der INITIATIVE ROSA-LILA zeigt: Am 24. August 2019 wird nicht der erste Christopher Street Day in Neubrandenburg stattfinden. Denn in den Regalen des queeren Archivs schlummern CSD-Veranstaltungshefte, die älter sind als einige der heutigen CSD-Teilnehmer/innen. So wurde im Juni 1998 unter dem Motto „QUEER DURCHS LAND“ der erste landesweite CSD in Neubrandenburg begangen.

Seit 1970 erinnert der Christopher Street Day an den Stonewall-Aufstand in der Christopher Street in New York am 28. Juni 1969. An diesem Tag widersetzte sich eine größere Gruppe von Homo- und Transsexuellen den immer stärker gewalttätig werdenden Polizeirazzien. 1979 finden dann die ersten CSDs in Deutschland statt.

In Mecklenburg-Vorpommern war es 1998 soweit. Vorreiter war seinerzeit Neubrandenburg. In der Vier-Tore-Stadt hat sich Ende der 1990er Jahre ein aktives queeres Leben etabliert, unter anderem durch die INITIATIVE ROSA-LILA, die Volleyballgruppe „Wallabys“, einen LesbenTreff, den Regenbogen e. V., die AIDS-Hilfe Neubrandenburg e. V., die Gay-Bars INCOGNITO und PAGAGEI in der Morgenlandstraße. Gemeinsam mit queeren Vereinen und Initiativen aus dem Land gestalten sie im Juni 1998 den ersten landesweiten CSD in MV in Neubrandenburg. Dieser war keine Parade oder Demonstration, sondern ein Wochenende mit verschiedenen Veranstaltungen zu queeren Themen und einer Infomeile mit Ständen der Teilnehmenden in der Turmstraße. Ab Mitte der 2000er Jahre verändert sich die queere Szene in Neubrandenburg und die finanzielle Situation für die Vereine wird schwieriger. Die CSD-Woche der Vorjahre ist 2007 das letzte Mal in der Region unterwegs.

Und nun ist es am 24. August 2019 nach 12 Jahren Pause wieder soweit – ein Christopher Street Day mit Demonstration, Straßenfest und der traditionellen CSD-Woche findet in Neubrandenburg statt.