Vorschläge und Bewerbungen für den Annalise-Wagner-Preis 2020 gesucht

Die Annalise-Wagner-Stiftung freut sich auf Vorschläge und Bewerbungen für den mit 2.500 Euro dotierten Annalise-Wagner-Preis 2020. Ausgezeichnet wird ein Text, der sich inhaltlich auf das Gebiet der historischen Region „Mecklenburg-Strelitz“ im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte bezieht oder der von Autoren verfasst wurde, die in dieser Region leben.

Sachliteratur ist genauso gefragt wie Belletristik aller Genres oder Kinder- und Jugendliteratur. Willkommen sind Publikationen aus den zurückliegenden drei Jahren und unveröffentlichte Manuskripte. Junge Autoren bis 27 Jahre haben zusätzlich eine Chance auf den Annalise-Wagner-Jugendpreis.

Eigenbewerbungen und Vorschläge können ab sofort schriftlich eingereicht werden per E-Mail an stiftung.bibl@neubrandenburg.de oder an die Postadresse: Annalise-Wagner-Stiftung, c/o Regionalbibliothek Neubrandenburg, Marktplatz 1, 17033 Neubrandenburg. Einsendeschluss ist am 15. März 2020.

Der Annalise-Wagner-Preis war der erste neue Literaturpreis, der in Mecklenburg-Vorpommern nach der Gründung des Bundeslandes ins Leben gerufen wurde. Er ist ein Vermächtnis der mecklenburgischen Heimatforscherin Annalise Wagner (1903 – 1986) und wird im Jahr 2020 zum 29. Mal verliehen.

In den vergangenen drei Jahren ging der Annalise-Wagner-Preis an die Dokumentation „Domjücher Schicksale“ von Reinhard Simon, an die Schriftstellerbiografie „Hans Fallada“ von Peter Walther und an den Roman „Kinderzimmer“ von Valentine Goby.

Weitere Informationen unter www.annalise-wagner-stiftung.de, per Telefon 0395/5551333 oder per eMail an stiftung.bibl@neubrandenburg.de.

Annalise-Wagner-Preis 2019 für "Domjücher Schicksale" von Reinhard Simon

Annalise-Wagner-Preis 2019 für „Domjücher Schicksale: Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Domjüch bei Neustrelitz in der Zeit des Nationalsozialismus“ von Reinhard Simon aus Neustrelitz

Die Dokumentation „Domjücher Schicksale: Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Domjüch bei Neustrelitz in der Zeit des Nationalsozialismus“ (Spica Verlag, 2019) von Reinhard Simon aus Neustrelitz wird mit dem 28. Annalise-Wagner-Preis ausgezeichnet.

Der Annalise-Wagner-Preis der Annalise-Wagner-Stiftung aus Neubrandenburg würdigt Texte, die Besonderes beitragen zum „Gedächtnis“ der historischen Region Mecklenburg-Strelitz im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, ist mit 2.500 Euro dotiert und wird in diesem Jahr gefördert durch die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft mbH und den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Der ausgezeichnete Text gehört zu den verdienstvollen Publikationen zur regionalen Geschichte, Kultur- oder Naturgeschichte, die als Ergebnis von Bürgerforschung im Ehrenamt (Citizen Science) entstehen. Und er ist ein Beispiel für „kleine“ Texte mit großem Potential als Impulsgeber für lebendige demokratische Erinnerungskultur, aktives bürgerschaftliches Engagement und gesellschaftlichen Diskurs in der Region.

Reinhard Simon lebt in Neustrelitz und ist Verwaltungsangestellter im Naturschutzbereich. 2015 las er einen Artikel über die nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde an psychisch kranken oder behinderten Menschen aus psychiatrischen Einrichtungen in Mecklenburg. Und er erfuhr: Auch an einem historischen Ort „vor der Haustür“ spielte dieses dunkle Kapitel der Regionalgeschichte, in der „Heil- und Pflegeanstalt Domjüch“ am Domjüchsee bei Neustrelitz. Seitdem engagiert sich Reinhard Simon dafür, möglichst vielen Opfern der „Euthanasie“-Morde aus „der Domjüch“ ihren Namen zurück zu geben – und damit ein Zeichen zu setzen für die Einzigartigkeit jeder Persönlichkeit und für die Würde jedes Menschen. 2015 wurde er Mitglied im „Verein zum Erhalt der Domjüch e.V.“ und initiierte 2016 eine Erinnerungsstätte für Opfer von Zwangssterilisationen und „Euthanasie“-Morden aus der Domjüch. Er unterstützt den virtuellen Gedenk- und Informationsort www.gedenkort-t4.eu und sucht ehrenamtlich immer weiter nach Namen und biografischen Zeugnissen dieser lange vergessenen NS-Opfer.

„Für mich ist es das Wichtigste“, schreibt Reinhard Simon, „die Opfer dieser menschenverachtenden Vernichtung psychisch und körperlich Kranker nicht zu vergessen und alles dafür zu tun, dass diese Verbrechen nie wiederholt werden. Dazu möchte ich auch mit diesem Buch beitragen.“

In seiner Publikation veröffentlicht er zum ersten Mal alle 62 bisher bekannten Namen der NS-Opfer aus „der Domjüch“ – und verankert sie auf diese Weise nachhaltig im Gedächtnis der Region. Am regionalen Beispiel spannt die Dokumentation seiner Spurensuche einen Bogen vom „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ (14. Juli 1933) zu den „Euthanasie“-Patientenmorden in der „Aktion T4“ (1940-1941) und bis ins Jahr 1945. Der Autor entwirft ein – für die schwierige Quellenlage – erstaunlich plastisches Bild davon, „was sich in der dunklen Zeit auf der Domjüch abgespielt haben könnte“. Dabei beschreibt er u. a. erstmals, wie das sogenannte „Erbgesundheitsgericht“ arbeitete, welches ab 1934 dem Amtsgericht Neustrelitz angegliedert war und über Zwangssterilisationen in Mecklenburg-Strelitz entschied. Berührend ist sein konsequent biografischer Ansatz: Er erzählt von den NS-Verbrechen anhand von vielen Einzelschicksalen, soweit möglich mit biografischen Lebensskizzen, aber auch anhand kleinster Lebensspuren.

Die öffentliche Verleihung des 28. Annalise-Wagner-Preises findet am 28. Juni 2019 um 18 Uhr in der Regionalbibliothek Neubrandenburg statt. Die Laudatio hält Dr. rer. hum. Kathleen Haack, Arbeitsbereich Geschichte der Medizin an der Universitätsmedizin Rostock und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Nervenheilkunde DGGN. Die Annalise-Wagner-Stiftung lädt herzlich ein!
Mehr Informationen: www.annalise-wagner-stiftung.de

73 Bewerbungen und Vorschläge für den 28. Annalise-Wagner-Preis

Die Ausschreibung des 28. Annalise-Wagner-Preises endete am 15. März 2019.

Sehr herzlich dankt die Annalise-Wagner-Stiftung für jede Bewerbung und für jeden Vorschlag!

73 Bewerbungen und Vorschläge liegen der Annalise-Wagner-Stiftung vor. Von den 31 Autoren-Bewerbungen und 42 Vorschlägen kamen 49 aus dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und 24 aus anderen Bundesländern. Sie beziehen sich auf 57 Publikationen und 16 Manuskripte. Bei 33 Bewerbungen und Vorschlägen geht es um belletristische Werke, 30 bringen populärwissenschaftliche oder wissenschaftliche Sachtexte ein und 10 machen aufmerksam auf Texte der Kinder- und Jugendliteratur.

Die Jury des Annalise-Wagner-Preises wird bis Ende Mai einen Preisträger-Text auswählen.

Zur öffentlichen Preisverleihung ist jeder Interessierte jetzt schon herzlich eingeladen! Sie findet am 28. Juni um 18 Uhr in der Neubrandenburger Regionalbibliothek statt – und setzt traditionell einen außergewöhnlichen Akzent im Norddeutschen Bücherfrühling.

Gefördert wird die Vergabe des 28. Annalise-Wagner-Preises von der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft mbH und dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Kontakt: 0395 555-1333, stiftung.bibl@neubrandenburg.de, www.annalise-wagner-stiftung.de