Gespenstisch aber ungefährlich

Besorgte Bürger meldeten sich in den letzten Tagen vermehrt zu eingesponnenen Sträuchern und darin befindliche Raupen. Nicht selten wurde vermutet, dass es sich um den gesundheitsgefährdenden Eichenprozessionsspinner handelt. Aber dem ist nicht so! Verursacher sind ungefährliche Raupen der Gespinstmotten der Schmetterlingsfamilie (Yponomeutidae). Die Raupen sondern Gespinstfäden ab, um sich vor Fraßfeinden, wie Vögel, und ungünstiger Witterung zu schützen.

In manchen Jahren kommt es zu Massenvermehrungen. Dann werden ganze Pflanzen eingesponnen und komplett kahl gefressen.
Weder für die Gehölze, noch für Anwohner oder Spaziergänger sind diese sonderbar anmutenden Naturschauspiele eine Gefahr! Die befallenen Büsche und Bäume treiben in der Regel wieder aus.

Um den Garten gespinstfrei zu halten, sollten Kleingärtner ihre Bäume im Frühjahr kontrollieren und sofort erste, bewohnte Nester ausschneiden und ggf. verbrennen oder im Hausmüll entsorgen. Biologische Gegenspieler sind verschiedene Nützlinge wie Raubwanzen, parasitierende Wespen und Meisen. Sie lassen sich durch Insektenhotels, Steinhaufen und Nistkästen in die Gärten locken.
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist sinnlos. Die Raupen werden durch das Gespinst geschützt, so dass Insektizide sie nicht erreichen.

Hintergrund

Ab Mai finden sich an Weißdorn, Pfaffenhütchen und Traubenkirschen, aber auch Schlehen, Apfel- und Pflaumenbäume weiße Gespinste. Teilweise bedecken diese die kompletten Büsche und bieten einen gespenstischen, vielleicht auch ekelerregenden Anblick.
Gespinstmotten sind weltweit verbreitet, alleine in Mitteleuropa leben etwa 60 Arten. In unseren Breiten findet man am häufigsten
• die Spindelbaumgespinstmotte (Yponomeuta cagnagella),
• die Traubenkirschengespinstmotte (Yponomeuta evonymella) sowie
• die Apfelbaumgespinstmotte (Yponomeuta malinellus).

Biologie

Die Falter sind schneeweiß mit schwarzen Punkten. Sie fliegen in den Monaten Juni und Juli hauptsächlich um die Futterpflanzen ihrer Raupen. Dort legen sie gleich nach dem Schlüpfen und der sofortigen Begattung ihre Eier an der Rinde von Trieben und Zweigen ab. Die geschlüpften Jungraupen überwintern dort. Etwa im folgenden April/Mai werden sie aktiv, wandern auf die Blätter und fallen erst auf, wenn sie große Teile der Zweige mit Gespinsten umgeben haben. Anfangs liegen diese Raupennester meist an den Zweigspitzen. Gesellig fressen sie in den Nestern, häuten sich dort, wandern weiter und legen neue an. Bei Massenvermehrung findet man so eine Unzahl großer, schleierartiger Gespinste.
Die Nester sind durchsetzt mit Häuten und dunklen Kotkrümeln, bewohnt von mehreren etwa 2 cm großen, gelbgrauen, fleischigen, mit dicken schwarzen Punkten versehenen Raupen. Die ausgewachsenen Larven verpuppen sich in den Nestern gruppenweise in weißen Kokons. Nach ca.14 Tagen Puppenruhe schlüpfen die Falter.