Rauschgiftkriminalität nimmt in Mecklenburg-Vorpommern weiter zu

Die Delikte im Bereich der Rauschgiftkriminalität sind im Jahr 2020 erneut gestiegen. Insgesamt wurden 8.739 Fälle der Rauschgiftkriminalität in Mecklenburg-Vorpommern registriert. Damit ist die Anzahl der bekannt gewordenen Rauschgiftstraftaten um 4,6% gegenüber dem Vorjahr gestiegen (2019: 8.351 Fälle) und erreicht erneut einen Höchststand seit Erfassung der Delikte. Der Anteil der Rauschgiftkriminalität an der festgestellten Gesamtkriminalität betrug in Mecklenburg-Vorpommern 8,2% (2019: 7,5%).

Wie bereits in den vergangenen Jahren bildeten die allgemeinen Verstöße im Zusammenhang mit Cannabisprodukten den Schwerpunkt (4.691 Fälle), gefolgt von Straftaten im Zusammenhang mit Amphetamin (1.456 Fälle). Die Anzahl der erfassten Cannabisplantagen liegt auf dem Niveau des Vorjahres (15 Plantagen im Jahr 2020 gegenüber 17 Plantagen im Jahr 2019).

Regional betrachtet verzeichneten die größten Anstiege die Stadt Schwerin (Steigerung um 391 Fälle auf 954), gefolgt vom Landkreis Rostock (Steigerung um 242 Fälle auf 1.281) und vom Landkreis Nordwestmecklenburg (Steigerung um 74 Fälle auf 927). Die Städte Schwerin mit einer Häufigkeitszahl von 997 und Rostock mit 692 sowie der Landkreis Rostock mit 594 liegen deutlich über der Häufigkeitszahl des Landes Mecklenburg-Vorpommern mit 543 Fällen je 100.000 Einwohner.

Ähnlich wie bei den Fallzahlen ist auch eine leichte Zunahme bei den Tatverdächtigen (um 1,7% auf 6,751 Tatverdächtige) festzustellen. Die dominierende Altersgruppe bei den Tatverdächtigen stellt weiterhin die der Erwachsenen mit einem Anteil von 68,7% dar. Hier stieg die Zahl der Tatverdächtigen um 130 auf 4.638 (+3,1%). In der Altersgruppe der Heranwachsenden mit einem Anteil von 16,1% sanken die ermittelten Tatverdächtigen um 37 auf 1.088 (-3,3%). In der Altersgruppe der Jugendlichen wurde hingegen ein Anstieg um 44 auf 1.018 Tatverdächtige verzeichnet (+4,3%). Im Jahr 2020 traten 63 Kinder im Alter von 10 bis unter 14 Jahren erstmalig polizeilich im Zusammenhang mit Drogendelikten in Erscheinung. Damit sank die Anzahl der Minderjährigen im Vergleich zum Vorjahr um 14.

Im Jahr 2020 wurden zehn Rauschgifttote (2019: fünf) polizeilich bekannt, davon waren zwei weiblich und acht männlich im Alter zwischen 18 und 41 Jahren. Als Todesursachen sind in fünf Fällen Intoxikationen durch Opioide/Opiate erfasst worden. In drei weiteren Fällen wurde eine Überdosis von Ecstasy/Amphetamin, teilweise in Verbindung mit Alkohol, festgestellt. In einem Fall war die Todesursache eine Selbsttötung aus Verzweiflung über den entstandenen Lebensumstand und in einem weiteren Fall lag eine Langzeitschädigung vor. Sieben der zehn Verstorbenen waren als Betäubungsmittelkonsumenten polizeilich bekannt. Das Durchschnittsalter der im Jahr 2020 erfassten Rauschgifttoten beträgt 35,0 Jahre (2019: 29,6 Jahre).

Bei der Interpretation der Rauschgiftlage ist zu berücksichtigen, dass es sich hierbei um Kontrollkriminalität handelt. Die polizeilich registrierten Fallzahlen werden deshalb maßgeblich von den Aktivitäten und vom Umfang der eingesetzten Ressourcen der Strafverfolgungsorgane beeinflusst. Ausweich- und Gegenreaktionen der Täter, aber auch behördliche Schwerpunktsetzungen führen zu Schwankungen bei der Anzahl der registrierten Delikte und Tatverdächtigen.

Insgesamt festigt sich aber in Mecklenburg-Vorpommern der Trend eines problematischen und verharmlosenden Umgangs mit illegalen Drogen durch einen Teil der Bevölkerung. Die Verdopplung der Fallzahlen allein in den letzten sieben Jahren deutet zudem auf ein schwindendes Unrechtsbewusstsein bei den Konsumenten hin. Auch die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie führten nicht zu einer spürbaren Knappheit von Betäubungsmitteln auf dem Markt oder einer geringeren Anzahl von Rauschgiftstraftaten.

Die Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität bleibt für die gesamte Gesellschaft eine dauerhafte Aufgabe.