Ehre fürs Ehrenamt

In jedem Jahr ehrt die Stadt Neubrandenburg anlässlich ihres Gründungstages bei einem Bürgerempfang Menschen, die sich in hervorragender und uneigennütziger Art und Weise im Ehrenamt für die Gesellschaft einsetzen. Da der Bürgerempfang im Januar aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr ausfallen musste, wird die Ehrung in diesem Jahr im Rahmen der Stadtvertretersitzung durchgeführt.

Die Stadtvertretung Neubrandenburg hat am 22. Oktober 2020 beschlossen Christa Grund, Andreas Jordan, Anke Jurchen, Ute Kraft und Peter Lippold für ihr jahrelanges, außergewöhnliches Engagement im Ehrenamt zu würdigen.

Stadtpräsident Dieter Stegemann:

Christa Grund

Christa Grund engagiert sich seit vielen Jahren in unterschiedlichsten Bereichen ehrenamtlich. Sie hat viele Jahre als Ratsfrau in der Stadtvertretung gearbeitet, im FDGB-Chor und später im Volkschor gesungen und ist aktives Mitglied im Polizeisportverein. Seit 13 Jahren leitet Christa Grund die Ortsgruppe 9 der Volkssolidarität in Neubrandenburg. Sie bereichert die monatlichen Veranstaltungen mit eigenen Beiträgen, organisiert Vorträge sowie musikalische und kulturelle Begegnungen in der Kunstsammlung, im Regionalmuseum, dem Literaturzentrum im Brigitte-Reimann-Literaturhaus, mit der EUROPA-Union sowie dem URANIA-Zentrum. Sie ermöglichte Konzertbesuche zum Tag der Deutschen Einheit und zu Orgelkonzerten in der Konzertkirche. In guter Zusammenarbeit mit den hiesigen Reiseunternehmen organisiert sie Tagesreisen und Schiffsausflüge. Die 65 Mitglieder der Ortsgruppe 9 der Volkssolidarität Nordost e.V. bedanken sich für den Einsatz von Christa Grund und haben sie gern für eine Würdigung ihrer ehrenamtlichen Arbeit vorgeschlagen.

Andreas Jordan

Andreas Jordan wurde für die Anerkennung seiner ehrenamtlichen Arbeit in dieser Form vom Freien Fanfarenzug Neubrandenburg Stadt 1980 e. V. vorgeschlagen.

Andreas Jordan wurde 1985 Mitglied im Freien Fanfarenzug Neubrandenburg und zeigte sich in allen Jahren seiner Mitgliedschaft immer mehr mit dem Verein verbunden. Im Jahr 2011 wurde er in die verantwortungsvolle Position des Vereinsleiters gewählt und steckt seit dieser Zeit mit Herzblut seine Freizeit und vieles mehr in die Arbeit für den Verein. Die Kinder- und Jugendarbeit, die Musik und damit auch der Fortbestand des Vereins stehen in seinem Leben beinahe immer an erster Stelle. In jedem Jahr wird es schwerer, die notwendigen Mittel für die Vereinsarbeit, sei es für die Ausrüstung oder auch für Freizeitaktivitäten, zu beschaffen. Dafür sammelt er nach einem anstrengenden Arbeitstag z.B. noch Papier, Altkleider oder auch Bücher.

Ein besonderes Anliegen ist für Herrn Jordan die jährliche Spendengala zu Ehren der José-Carreras-Leukämie-Stiftung, die sowohl ein Erlebnis für Groß und Klein ist, aber auch einen sehr wichtigen und hoffnungstragenden Zweck erfüllt. Nahezu das ganze Jahr über steckt Herr Jordan Zeit, Nerven und Anstrengungen in die Organisation dieses Ereignisses – es müssen Sponsoren und Tombola-Preise gefunden, Teilnehmer und Gäste eingeladen und Werbemaßnahmen ergriffen werden. Ohne Andreas Jordan wäre der Verein nicht denkbar.

Anke Jurchen

Anke Jurchen leitet seit 20 Jahren den Förderverein der Grundschule Süd e. V.

Sie hatte maßgeblichen Anteil an der Erarbeitung des Schulkonzeptes mit seiner sportlichen und gesundheitsorientierten Ausrichtung. Während des Mentorings für eine wissenschaftliche Arbeit lernte sie die Grundschule Süd kennen und entschied sich, das Schulkonzept „Gesund und fit durch Schule“ aktiv zu begleiten. Also nicht persönliche Motive, sondern das Wohlergehen aller Kinder dieser Grundschule waren die Beweggründe für Anke Jurchens Mitarbeit im Förderverein, den sie seit 2001 äußerst professionell als Vorsitzende führt. Bereits zu Beginn ihrer Tätigkeit war die Erstellung einer sachgemäßen Satzung eine große Herausforderung. Anke Jurchen investiert einen hohen Anteil ihrer Freizeit, um den wiederkehrenden Vereinsaufgaben gerecht zu werden, wie dem Schreiben von Anträgen, der qualifizierten Buchführung, der Erstellung von Verwendungsnachweisen für die Abrechnung von Zuschüssen, die Durchführung von Mitgliederversammlungen und die Präsentation des Vereins in der Öffentlichkeit. Wiederholt führte sie Seminare und Fortbildungen für Eltern und das Schulpersonal zum Thema Bewegung und Gesundheitsförderung ehrenamtlich durch.

Ute Kraft

Der Vorschlag für die Würdigung der ehrenamtlichen Arbeit von Ute Kraft wurde vom Eine Welt – Nueva Esperanza e. V. unterbreitet. Dieser gemeinnützige Verein ist Träger des Weltladens in Neubrandenburg. Dort werden fair produzierte und gehandelte Waren aus aller Welt angeboten. Der Verein realisiert Bildungsprojekte und unterhält Netzwerkkontakte zu gleichgesinnten Vereinen und Institutionen. Ute Kraft ist seit dem Jahr 2000 Mitglied des im Jahr 1992 gegründeten Vereins und hat dort 15 Jahre als Vorstandsvorsitzende gewirkt. Ute Kraft übte ihr Ehrenamt neben Schichtarbeit im Pflegedienst, familiären Herausforderungen und trotz späterer eigener Erkrankung verantwortungsvoll aus. Im Vorschlag des Vereins heißt es: „Sie pflegte den Zusammenhalt des Vereins und stand in schwierigen Zeiten mit Optimismus und Sachlichkeit zur Seite.“

Peter Lippold

Peter Lippold ist Gründungsmitglied des Fördervereins „Freunde der Gesamtschule e. V. der IGS „Vier Tore“, der ihn auch für diese Würdigung vorgeschlagen hat.

Der Verein wurde am 27. Oktober 1993 gegründet, von 1997 bis 2012 war Peter Lippold Vorsitzender des Vereins und ist bis heute Mitglied des Vorstandes.

Er erfand, er förderte und er unterstützt bis heute zahlreiche Projekte und Veranstaltungen, die die Gesamtschule nur über den Förderverein anbieten konnte. Zu nennen wären die jährliche Auszeichnung der besten Schulabgänger, Schüleraustausche mit Norwegen, Polen, Dänemark, Schweden, Lerncamps in den Sommerferien, schulische Wettbewerbe unterschiedlicher Art, die Entwicklung eines Schul-Logos, Kooperationen mit dem Regionalmuseum, dem Fraueneinfälle NB e. V., der Theater und Orchester GmbH, dem Präventionsrat und vielen weiteren Institutionen.

Auch die Erringung des Titels „Schule ohne Rassismus“, die Verbesserung der Ganztagsausstattung der Schule, die Mitarbeit der Schule beim Stadtteilfest der Südstadt und vieles mehr gehen auf die Initiativen und den ehrenamtlichen Einsatz von Peter Lippold zurück.

Oberbürgermeister Silvio Witt würdigt ein Neubrandenburger Unternehmen für sein wirtschaftliches und soziales Engagement zum Wohle der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg:

Das Duden Institut für Lerntherapie Neubrandenburg wird als Franchiseunternehmen von Kathrin Ader betrieben. Es bietet Menschen mit Lernschwierigkeiten individuelle Hilfe und fördert Kinder und Jugendliche mit Rechenschwäche, Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) oder LRS in Englisch. Grundlage der Förderung ist das Konzept der integrativen Lerntherapie. Es verbindet die jeweilige Fachdidaktik mit passenden Methoden aus der Spiel-, Ergo- und Familientherapie.

Das Unternehmen zeichnet sich insbesondere durch seinen Beitrag zur Inklusion im Sinne von bestmöglicher individueller Entfaltung statt Erfüllung vorgegebener gesellschaftlicher Leistungsparameter aus.

Sowohl nach außen durch die Formen der angebotenen Dienstleistungen und des vielfältigen Engagements der Unternehmerin Kathrin Ader, aber auch nach innen durch den Umgang mit den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern leistet das Unternehmen einen wertvollen Beitrag zur sozialen Entwicklung der Stadt.

Im Rahmen von Mitgliedschaften und Kooperationen unterstützt das Unternehmen zahlreiche Vereine und Bildungseinrichtungen in Neubrandenburg. Das Duden Institut ist regelmäßiger Unterstützer der Initiative zur Förderung lernschwacher Kinder e. V. in Form von finanziellen Zuwendungen, kostenfreier individueller Beratungstätigkeit für Familien sowie die Gestaltung kostenfreier Elternabende durch Fachkräfte des Unternehmens in Schulen, Horten und Kitas.

Das Duden Institut sichert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen durch individuelle und flexible Arbeitszeitlösungen. Gesundheitsfördernde Maßnahmen am Arbeitsplatz, ein wertschätzendes Miteinander, Weiterbildungsmöglichkeiten, teambildende Freizeitmaßnahmen wie die gemeinsame Teilnahme an sportlichen Aktivitäten, z. B. dem Frauenlauf in Neubrandenburg sind nur einige Beispiele für das soziale Engagement des Unternehmens nach innen.

Viele Empfehlungen zur Würdigung des Ehrenamts beim Bürgerempfang bezogen sich in diesem Jahr auf ehrenamtliche Leistungen während der besonderen Zeit der Corona–Pandemie.

So schlägt der Förderverein des Albert–Einstein–Gymnasiums e. V. Mai Ngyen und Jonas Eckhardt vor.

Stadtpräsident Dieter Stegemann:

Mai und Jonas sind Schülerin und Schüler der 12. Klasse des Albert-Einstein-Gymnasiums. Sie stehen hier stellvertretend für alle diejenigen Schüler*innen der Oberstufe des AEG, die nach dem Beschluss der Schließung der Schulen in MV im März 2020 innerhalb weniger Tage eine Online-Plattform für den Distanzunterricht nutzbar gemacht, diese Plattform gepflegt, Lehrer/innen und Schüler/innen bei der Nutzung der Plattform angeleitet und unterstützt haben und die Nutzungsmöglichkeiten der Plattform kontinuierlich weiterentwickelt haben. Bereits am 3. Tag nach der Schulschließung wurde so die Durchführung von Online-Unterricht in den Klassen der gymnasialen Oberstufe möglich. Durch die Plattform waren verschiedene Unterrichtsformen möglich. Die Mitglieder dieser Schüler/inneninitiative haben viel Zeit – neben ihren schulischen Aufgaben – aufgewendet, um die Plattform arbeitsfähig und störungsfrei zu halten und um während der gesamten Zeit praktische Hilfe für die Lehrkräfte anzubieten. Damit war es möglich, lebendigen und nachhaltigen Unterricht in und trotz Distanz durchzuführen.

Das Netzwerk Stadtteilarbeit, bestehend aus den Stadtteilbüros auf dem Datzeberg, der Südstadt und der Oststadt sowie dem Quartiersmanagement Nordstadt-Ihlenfelder Vorstadt schlägt die Ehrung von Marcos Atala, einem herausragenden unter vielen Mitwirkenden im Netzwerk NB HILFT 2.0 vor.

Stadtpräsident Dieter Stegemann:

Dieses Netzwerk wurde gegründet, als es wegen des Corona-Lockdown im März 2020 für viele Menschen, die einer Risikogruppe angehören, schwierig wurde, sich selbst zu versorgen. Bei NB HILFT 2.0 fanden sich sehr schnell und unkompliziert Bürger*innen Neubrandenburgs zusammen, um bei Einkäufen und durch praktische Hilfestellungen zu unterstützen.

Marcos Atala hat sich seit Gründung des Netzwerks bis heute mit hohem Engagement beteiligt. Mit großer Freundlichkeit, Ausdauer, mit Geduld und Verständnis hat er sich auch um ungewöhnliche Hilfewünsche gekümmert. Viele Neubrandenburger/innen konnten sich darauf verlassen, dass Marcos Atala zuverlässig hilft. Auch für das Organisationsteam, das seit dem Sommer 2020 vom Netzwerk Stadtteilarbeit unterstützt wird, ist Marcos Atala ein wichtiger Partner. Insbesondere der menschliche Kontakt ist Marcos Atala wichtig, oftmals hat ein Gespräch an der Wohnungstür den hilfebedürftigen Menschen geholfen, die Einsamkeit für kurze Zeit zu vergessen.

Das herausragende Engagement von Marcos Atala steht gleichzeitig beispielhaft für viele Engagierte des Netzwerks, die sich während der Corona-Krisenzeit selbstverständlich und selbstlos für andere einsetzen und zupacken, wenn Hilfe gebraucht wird.