Corona und die Heizkosten

Die Pandemie bestimmt fast alle Bereiche, ob in den Familien, in den Kindereinrichtungen oder in den Unternehmen, besonders in der Gastronomie und der Tourismusbranche – überall spürt man die Auswirkungen. Vieles musste sich in den letzten Monaten seit März 2020 in den Wohnungen abspielen. Kinderbetreuung, Homeoffice, Feiertage und Jubiläen nicht im Restaurant, sondern im kleinen Kreis zu Hause. Und zuletzt im zweiten und dritten Lock down ein kompletter Winter in den eigenen vier Wänden.

Monika M., die mit ihrer Familie erst 2018 ihr neues Heim bezogen hat, bringt es auf den Punkt: „Seit Oktober letzten Jahres heizen wir praktisch durch. Kein Urlaub, wir und die beiden Kinder (8 und 11 Jahre) oft wochenlang zu Hause.“ Vor einigen Tagen hat sie mal ihren Gasverbrauch notiert. Zwischen Oktober 2020 und Ende März liefen 15.400 kWh Erdgas über den Zähler. „Das ist fast so viel, wie unser Jahresverbrauch 2019. Damals mussten wir für 12 Monate eine Rechnung für 18.500 kWh bezahlen.“

Macht sich das veränderte Nutzungsverhalten wirklich so deutlich bemerkbar? Dr. Jürgen Fischer, Vorstand der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern, kann dies bestätigen. „Der Energieverbrauch für die Beheizung von Wohnungen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Bausubstanz – möglichst gut gedämmt – und die Effizienz der Heizungsanlage sind wenig beeinflussbare Faktoren, vor allem für Mieter. Die Preise für die bezogene Energie sind eher nicht kalkulierbar, aber letztlich ist das Verbrauchsverhalten der Nutzer ganz wichtig. Das merkt man recht deutlich, wenn zum Beispiel die Familie wächst oder die Kinder aus dem Haus sind.“

Eine Situation wie im letzten Winter führt ganz sicher zu höheren Verbrauchswerten fast aller Haushalte. Fischer schätzt, dass die Rechnungen für 2020 und auch für 2021 etwa 15 bis 20 Prozent höhere Kosten für die Beheizung ausweisen werden. Das Gleiche gilt aber auch für den Verbrauch von Kalt- und Warmwasser. Wenn die Familie Tag für Tag zu Hause bleiben muss, dann ändert sich nicht nur der Alltag, sondern es verschieben sich auch die Kosten.

Familie N. merkt dies ganz deutlich. Ihre beiden Studenten, Monique (21) und Pierre (24), sind schon sechs Wochen am Stück zu Hause. Das Bad ständig besetzt, die Wasserzähler rotieren. In den Zimmern der beiden steht die Heizung tagsüber auf „5“. Vater Manfred warnt vor den hohen Kosten und übersieht ein Problem. Fast alle Heizkörper im Haus erwärmen sich nur im oberen Bereich, wenn das Thermostatventil nur auf „4“ oder „3“ gestellt wird. Monique, die sich nicht als Verschwenderin versteht, gibt ihrem Vater den Tipp, das Problem der Energieberatung bei der Verbraucherzentrale vorzustellen. „Kostet nichts und wir alle gewinnen“, ist ihre Ansage.