Der Arbeitsmarkt im Dezember und Jahresbilanz 2020: Arbeitslosigkeit steigt saisonbedingt

„Der Arbeitsmarkt zeigt sich in der Seenplatte auch im Dezember robust gegen pandemiebedingte- und konjunkturelle Schwankungen. Zum Jahresende waren noch einmal mehr Menschen arbeitslos gemeldet als einen Monat zuvor. Allerdings wurde der Anstieg der Arbeitslosigkeit durch den Einsatz von Kurzarbeitergeld begrenzt. Dank der Kurzarbeiterregelung sind viele Unternehmen in der Lage, flexibel zu reagieren, um ihre Mitarbeitenden zu behalten. Im Jahresdurchschnitt lag die Arbeitslosigkeit über der des Vorjahres. Eine Prognose für das Jahr 2021 ist schwierig, denn die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt sind bei Weitem nicht absehbar. Unterm Strich kommt es darauf an, wie lange der Lockdown anhält und wie wir da wieder herauskommen“, sagt der Chef der Neubrandenburger Arbeitsagentur, Thomas Besse, heute anlässlich der monatlichen Pressekonferenz.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Seenplatte im Überblick

  • Insgesamt 11.778 Arbeitslose: ein Plus von 556 im Vergleich zum Dezember 2019
  • Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 9 Prozent
  • Anstieg der Arbeitslosenzahl leicht über dem fünfjährigen Mittel
  • seit Jahresbeginn 7.545 freie Jobs gemeldet
  • Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich nur in Demmin und Malchin
  • Mit 7,6 Prozent niedrigste Arbeitslosenquote in Röbel – Höchste mit 11,3 Prozent in Neubrandenburg

Im Dezember waren in der Seenplatte 557 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im November. Insgesamt 11.778 Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 9,0 Prozent. Im Vergleich zum Dezember des Vorjahres 556 Arbeitslose mehr.

Für den vergleichsweise moderaten Anstieg der Arbeitslosenzahlen zum Jahresende (+557 – Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre (+478) – führt der Agenturchef „auf den Einsatz von Kurzarbeit – der eine massive Erhöhung der Arbeitslosigkeit verhindert – sowie das milde Dezemberwetter zurück.“

Der Arbeitsmarkt hat sich trotz des sogenannten „Lockdown light“ bis Mitte Dezember – typisch für einen milden Dezember entwickelt: „In den meisten Außenberufen konnte auch in den ersten Wintermonaten weitergearbeitet werden. Ein Einbruch, wie wir ihn als Auswirkung des Frühjahres-Lockdowns erlebt haben, ist bisher ausgeblieben“, sagte Thomas Besse.

Dennoch bleibt der Arbeitsmarkt deutlich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt: „Eine Prognose für das Jahr 2021   ist schwierig, denn die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt sind bei Weitem nicht absehbar. Unterm Strich kommt es darauf an, wie lange der Lockdown anhält und wie wir da wieder herauskommen“, sagt der Arbeitsagenturchef.

Die weiterhin stabile Entwicklung am Arbeitsmarkt sieht Besse auch als einen Erfolg der Vielzahl an Unterstützungsmöglichkeiten für Wirtschaft sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern: „Wir begrüßen deshalb auch die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes auf bis zu 24 Monate. Das Kurzarbeitergeld verhindert die Arbeitslosigkeit vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Es bietet Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern die Sicherheit, die sie benötigen, um Beschäftigungsverhältnisse in ihren Unternehmen aufrecht zu erhalten. Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes ist ein richtiger Schritt, um Unternehmen und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gute Perspektive für die Zeit nach der Corona-Pandemie zu geben.“

Nach Einschätzung des Arbeitsagenturchefs wird das Instrument der Kurzarbeit „den Menschen und Betrieben in der Seenplatte weiter durch die Corona-Krise helfen.“ Ohne Kurzarbeit läge die Arbeitslosigkeit noch einmal deutlich höher. Bis Mitte Dezember wurde für 35.400 Menschen im Landkreis vorsorglich Kurzarbeit angezeigt. Nach aktuellen Hochrechnungen befanden sich im August 2020, 3.102 Mitarbeitende – aus 645 Unternehmen – in Kurzarbeit.

Ausblick auf Januar 2021

Welche Auswirkungen die Corona-Krise während des zweiten Lockdowns auf den Arbeitsmarkt in der Seenplatte hat, lässt sich derzeit nur schwer abschätzen. Besse hofft, dass die Firmen weiter auf Kurzarbeit setzen, ihre Beschäftigten nicht entlassen und nach Aufhebung der Kontaktverbote schnell wieder Tritt fassen können. „Kurzarbeit ist das Mittel der Wahl in dieser historischen Herausforderung für Wirtschaft und Arbeitsmarkt“, sagte Besse

Zu- und Abgänge

1.052 Männer und Frauen mussten sich im Dezember nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes in der Seenplatte neu oder erneut arbeitslos melden. Das sind 82 weniger als im Dezember 2019.

463 Arbeitslose konnten ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt beenden. Das sind 59 weniger als im Vorjahresmonat.

Damit übersteigen im Dezember die Arbeitslosmeldungen aus Beschäftigung (1.052) die Arbeitsaufnahmen (463).

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Nach Personengruppen entwickelte sich die Arbeitslosigkeit recht unterschiedlich, allerdings waren bei allen Anstiege gegenüber dem Vorjahresmonat zu verzeichnen. Die Spanne der Veränderungen reicht im Dezember von +0,3 Prozent bei 50-Jährigen und Älteren bis +17 Prozent bei Ausländern.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch III, also bei all denjenigen, die Arbeitslosengeld I erhalten, waren im Dezember 4.523 Menschen arbeitslos. 483 mehr als im Vormonat und 794 mehr als im Dezember 2019. Das entspricht einem Anstieg von 21 Prozent.

Die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld II nach dem Sozialgesetzbuch II – umgangssprachlich Hartz-IV-Empfänger genannt – lag im Dezember bei 7.255 Arbeitslosen. 74 mehr als im November aber 238 weniger als im Dezember 2019.

Die Unterbeschäftigung zeichnet ein realistischeres Bild von der Verfassung des Arbeitsmarktes. Dabei werden neben Arbeitslosen auch Teilnehmer in Maßnahmen, Weiterbildungen und arbeitsunfähig Erkrankte erfasst. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im Dezember bei 14.811 das waren 478 oder 3,3 Prozent mehr als im Vormonat – 79 oder 0,5 Prozent weniger als im Dezember 2019.

Ohne den Entlastungseffekt der arbeitsmarktpolitischen Förderinstrumente läge die Zahl der Arbeitslosen – ausgewiesen durch die so genannte „Unterbeschäftigung“ – um 3.033 höher und die Arbeitslosenquote bei 11,1 Prozent.

Geldleistungen

Insgesamt 4.150 Personen erhielten im Dezember Arbeitslosengeld, 659 mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im Dezember bei 15.116. Gegenüber Dezember 2019 war dies ein Rückgang von 7 Personen.

Gemeldete Arbeitsstellen

Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen ist auf 2.459 Stellen gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat (Dezember 2019) bedeutet dies einen Rückgang von 9. Die Arbeitskraftnachfrage der Unternehmen lässt sich eindeutiger am Zugang an offenen gemeldeten Stellen seit Jahresbeginn ablesen: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank der Stellenzugang um 2.065 oder 21,5 Prozent.

Die größte Nachfrage gab es im November aus den Bereichen:    Callcenter und Zeitarbeit (440 freie Stellen im Bestand), im Baugewerbe (315), Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (315), Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (271) sowie im verarbeitenden Gewerbe (265).

Unternehmen in der Seenplatte, die noch keinen festen Ansprechpartner haben, erreichen den Arbeitgeberservice telefonisch unter der kostenfreien Arbeitgeber-Service-Rufnummer: 0800 4 5555 20.

Der Arbeitsmarkt in den Dienststellen des Agenturbezirks

Im Agenturbezirk Neubrandenburg entwickelte sich der Arbeitsmarkt im Dezember recht unterschiedlich. Am günstigsten war die Veränderung der Arbeitslosigkeit in Demmin; dort sank der Bestand an Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahresmonat um 6 Prozent. Dem gegenüber steht die Entwicklung in Neubrandenburg mit einer Zunahme von 11 Prozent.

Jahresbilanz 2020

Trotz der Corona-Pandemie sind die Arbeitslosenzahlen nicht drastisch gestiegen. Die Kurzarbeit hat sich zur Abfederung der Folgen der Corona-Krise bewährt.

Die Zahl der Arbeitslosen lag im Jahresdurchschnitt bei 11.731 Damit waren 285 oder 2,5 Prozent mehr Männer und Frauen arbeitslos als 2019.

Das Kundenzentrum der Agentur für Arbeit, verantwortlich für den Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), betreute im Jahr 2020 jahresdurchschnittlich 4.186 Männer und Frauen. Das sind 650 oder 18,4 Prozent mehr als in 2019.

Die Jobcenter im Landkreis, verantwortlich für die Grundsicherung nach dem zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB II), zählten im Jahresschnitt 7.545 Arbeitslose. Das sind 365 Personen oder 4,6 Prozent weniger als 2019.

Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 9,0 Prozent. Ein Plus von 0,3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr 2019.

Die Zahl der Entlassungen lag 2020 in der Jahressumme unter dem Vorjahreswert von 11.495 Im Verlauf des Jahres 2020 mussten sich nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes 10.112 Männer und Frauen in der Seenplatte arbeitslos melden. Das waren 1.383 oder 12,0 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Im Jahr 2020 beendeten mit 8.688 weniger Männer und Frauen in der Seenplatte ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Arbeit am ersten Arbeitsmarkt als vor einem Jahr. Der Rückgang lag bei 1.853 oder 17,6 Prozent.

Im Jahresverlauf 2020 meldeten die Unternehmen und Verwaltungen in der Seenplatte dem Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcentern insgesamt 7.545 offene sozialversicherungspflichtige Stellen. Das waren 2.065 oder 21,5 Prozent weniger freie Arbeitsplätze als im Vorjahreszeitraum.