Trickbetrüger machen keine Weihnachtspause

Trickbetrüger machen keine Weihnachtspause. Im Gegenteil: Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit spekulieren sie auf die Gutgläubigkeit und das große Herz ihrer größtenteils älteren Opfer. Die Polizei will daher noch einmal kurz vor dem Fest die Betrugsmaschen und Tipps gegen das Geld verlieren in Erinnerung rufen. Und sie will nicht nur diejenigen ansprechen, die zur Zielgruppe der Betrüger gehören, sondern auch die jüngeren Angehörigen: Thematisieren Sie gerade jetzt – ob am Telefon oder beim vielleicht möglichen persönlichen Besuch – bei Großeltern, Eltern und Co. das Thema Trickbetrüge.

Die gute Nachricht vorweg: Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Neubrandenburg (Landkreise Vorpommern-Greifswald, Vorpommern-Rügen und Mecklenburgische Seenplatte) sind in diesem Jahr bisher gut 90 Prozent aller Fälle lediglich Betrugsversuche gewesen. Entweder waren die Angerufenen selbst misstrauisch und legten taff den Hörer wieder auf oder Angehörige haben den Betrugsversuch mitbekommen. In einer weiteren Vielzahl von Fällen waren es Mitarbeiter von Sparkassen und Banken, Drogerien oder auch Taxifahrer, die die potenziellen Opfer meist in letzter Sekunde vor Geldverlust bewahrten.

Es gibt jedoch leider auch etwa 70 bisher geglückte Fälle in unserem Bereich. Schadenssumme insgesamt: knapp über eine Million Euro! Tatmittel Nummer eins ist nach wie vor das Telefon, seltener erfolgt die Kontaktaufnahme per Computer. Die häufigsten Maschen sind der klassische Enkeltrick (bzw. jegliche andere Variante eines angeblichen Familienangehörigen, der dringend Geld benötigt), der falsche Polizist, der angeblich Geld und Wertgegenstände sicher verwahren will, weil Räuber in der Gegend ihr Unwesen treiben und „love scamming“, der digitale Liebesbetrug. Der stellt einen Sonderfall dar, weil hier die Kontaktaufnahme meistens nur per WhatsApp und via soziale Netzwerke wie Facebook erfolgt, über einen längeren Zeitraum teils mit größerem Aufwand (gefälschte Fotos und Profile) Vertrauen aufgebaut wird und unter den Opfern auch immer wieder junge Menschen sind.

Daneben sind Betrüger auch weiterhin bei Gewinnspielbetrug erfolgreich – hier sind die verlorenen Summen häufig nicht so hoch. Auch Tan-Nummern-Betrug oder Microsoft-Betrüger, die die Reparatur des PC anbieten, der angeblich mit Viren befallen ist, gelingt noch regelmäßig. Eine recht neue und sehr perfide Masche sind dann noch die Schockanrufe: Angerufene erhalten die vermeintliche Schocknachricht, dass ihr Sohn/Enkel/Neffe einen schlimmen Unfall verursacht habe und nun aus der Haft freigekauft werden könne oder die Tochter/Enkelin/Nichte liege nach einem Unfall schwer verletzt im Krankenhaus und benötige für eine Operation dringend Geld.

Angehörige oder auch Betreuer sollten regelmäßig mit (älteren) Angehörigen über die Maschen der Betrüger und deren Dreistigkeit sprechen. Betrüger werden immer einfallsreicher.

Die Hinweise der Polizei:

  • Enkeltrick: Stellen Sie im Zweifel Überprüfungsfragen. Nennen Sie nicht selbst den Namen (Also nicht: „Bist du es, Stefan?“). Spätestens, wenn das angebliche Familienmitglied plötzlich viel Geld für ein angebliches Grundstück oder nach einem Unfall braucht und dieses aber aus irgendwelchen Gründen nicht selbst abholen kann, MUSS man hellhörig werden. Übergeben Sie nie Geld an Fremde!
  • Falsche Polizisten oder falsche LKA-Beamte: Die echte Polizei wird NIEMALS verlangen, dass sie Geld aus Sicherheitsgründen zum Schutz vor möglichen Betrüger-Banden abheben und einem „Polizisten“ überreichen! Auch Abfragen zu ihren persönlichen (Vermögens-)Verhältnissen oder die Bitte um Herausgabe von Tan-Nummern wird es durch die echte Polizei nie geben.
  • „love scamming“ – digitaler Liebesbetrug: Dem Opfer wird durch regen Nachrichtenverkehr (vor allem via WhatsApp oder durch Messenger-Dienste in sozialen Netzwerken) das Entstehen oder Vorhandensein einer Liebesbeziehung oder zumindest einer emotionalen Verbundenheit vorgetäuscht. Der Täter gibt sich beispielsweise als Soldat im Auslandseinsatz aus, der aus dem Gefängnis raus will oder Geld für seine Familie oder einen Krankenhausaufenthalt benötigt – oder einfach für ein angebliches Flugticket. Wir raten dazu, Fotos genauer anzusehen.
    Oft sind diese so unprofessionell bearbeitet. Und den Namen desjenigen im Internet suchen in Verbindung mit dem Wort „scammer“ – es gibt mittlerweile Foren und Selbsthilfegruppen, die sich über diese Betrugsart und Betrüger-Namen austauschen.
  • Gewinnspielbetrug: Bei echten Gewinnen gibt es NIE anfallende Gebühren oder Notarkosten oder sonstige Geldforderungen, die vor der Gewinnauszahlung nötig wären. Seriöse Gewinnspielunternehmen fordern so etwas nicht!
  • Niemals Tan-Nummern, Kontonummern oder Passwörter an Dritte weitergeben – echte Bankmitarbeiter oder Computerspezialisten würden nie danach fragen.

In jedem Fall gilt: Bei Betrugsverdacht auflegen, Polizei und ggf. Angehörige informieren, in keinem Fall Geld überreichen oder das Vorhandensein von Geld oder Schmuck bestätigen. Wer sich durch die Anrufenden eingeschüchtert fühlt: Nicht aus Angst Geld überreichen, sondern vorher die Polizei unter der Notrufnummer 110 verständigen!