Der März in Neubrandenburg ist immer heiß

Der Jazzfrühling ist immer für Überraschungen gut, und das ist auch in diesem Jahr nicht anders. Da ist der mutige und unkonventionelle Stilmix, der dieses Festival so einzigartig macht. Vor Jahren verpasste sich der Jazzfrühling ein Upgrade zum „Festival für Jazz und Weltmusik“ und eröffnete sich damit mehr Spielraum bei der Programmgestaltung, jenseits der gestrengen Jazzpolizisten, die nach wie vor hinter jeder Melodie Verrat an die Avantgarde wittern. Dem Publikum ist es egal und der Erfolg gibt dem Jazzfrühling Recht. Meistens sind die Häuser voll und das Festival spielt nicht nur in der Jahresplanung der Neubrandenburger eine wichtige Rolle. Inzwischen nutzen viele „Ehemalige“ und überregionale Musikenthusiasten den Jazzfrühling für eine Stippvisite an den Tollensesee. Und sie werden dafür auch in diesem Jahr belohnt: das Setup verspricht eine Menge Hörgenuss, Vielschichtigkeit und auch Spaß.

Andromeda Mega Express Orchestra

Mit dem Andromeda Mega Express Ensemble startet das Festival am 11. März mit einem der wohl derzeit eigenständigsten Orchester für zeitgenössische Musik. Unter Leitung von Daniel Glatzel zündet das 18-köpfige Ensemble einen hochkomprimierten Mix aus Jazz, Big Band-Sound, neuer Musik, Klassik, Elektronik, Soundtrack-Elementen und Avantgarde. Eine Musik, gleichsam zum Meditieren und zum Tanzen. Und es passiert am laufenden Band Neues, Überraschendes – wie in einem rasanten Cartoon. AMEO ist einfach ein Gesamtkunstwerk.

Nils Wülker

Auch das Schauspielhaus gehört am 12. und 13. März den Jazzliebhabern: Der Trompeter Nils Wülker ist dabei durchaus ein Grenzgänger, hält die Öffnung des Jazz in alle Richtungen für eine Selbstverständlichkeit, das belegt auch die Zusammenarbeit mit Xavier Neidoo, Sascha oder Max Mutzke. In Neubrandenburg präsentieret Nils Wülker mit seiner Band „Decade Live“ Musik kraftvoller Schönheit, nicht zuletzt durch die grandiosen Solis des Band-Leaders und des Gitarristen Arne Jansen.

JinJim (Foto: Mirko Polo)

Der Jazzfrühling ist immer auf der Suche nach überraschenden, neuen Hörerlebnissen. Das Konzert von NES im vergangenen Jahr ist dafür ein gutes Beispiel: zwei Celli, ein Schlagzeug und eine Sängerin verzauberten das Publikum. In diesem Jahr wird es mit Jin Jim etwas deftiger. Der NDR bezeichnete sie als „die absolute Senkrechtstarterband der deutschen Jazzszene“, was sicherlich an den innovativen Charakter ihrer Musik liegt. Da ist die herausragende Querflöte als Lead-Instrument, mit der Jin Jim ihren Mix aus Rock, Latin, Jazz und Orient kreieren. Rhythmisch hochkomplex, dafür harmonisch zugänglich, mit Einflüssen von Flamenco über indische Musik bis zum Pop. Umwerfend!

Der frühe Samstagnachmittag gehört seit jeher der Neubrandenburger Innenstadt. Das Trio Triple Trouble aus Dresden lässt nichts unversucht, den Hits der letzten 50 Jahre spaßvoll neues Leben einzuhauchen. Sie selber beschreiben ihre Musik so: „Heldenhafte Engelsstimmen werden in einen Sud aus Sousaphone, Resonatorgitarre und Waschbrett bzw. Drumsonite geditscht.“ Das ganze auf und mit ihrem unglaublichen Jazz-Trike.

Am Abend lädt die JazzConnection dann zur Jazz-Party in den HKB-Saal. Ja, es ist bekannt, dass die Zwanziger Jahre erst 2021 beginnen, trotzdem feiert das Festival das neue Jahrzehnt standesgemäß und hat Goldmeister mit ihrem neuen Programm „Alles Gold“ eingeladen. Phil Ohleyer und Chris Dunker vermischen gemeinsam mit der Band Ragtime Bandits Swing und deutschen HipHop zu einer neuen, progressiven und mitreißenden Tanzmusik.

Cats&Breakkies

Im Anschluss wechselt das Programm vom Swing-Rap zum Jazz-Techno-Mix: Cats and Breakkies aus Berlin weben ihre Musik elegant und mit viel Druck. Mit E-Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keys liefern sie mühelos wie ein DJ-Live-Set ab und bohren dabei dicke Disco-Bretter.

Für Nachtschwärmer steht das neue Restaurant „Italy“ im HKB ab Mitternacht für eine After-Show-Party mit Triple Trouble offen.
Für die kleinen Jazzfans in der Viertorestadt gibt es am BIP-Kreativitätscampus am Freitag wieder ein Kinderkonzert.

Der Jazzfrühling wird durch das Land M-V, die Stadt Neubrandenburg, den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und die Kulturförderung des NDR gefördert. Die JazzConnection verweist darüber hinaus auf die über 30 Sponsoren und Spender, ohne die das Festival nicht durchführbar wäre. (Andreas Meenke)
Alle Infos: www.jazz-nb.de

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