Bürgerempfang zum Stadtgeburtstag

Anlässlich des Stadtgeburtstages am 4. Januar wird traditionell zum Bürgerempfang in die Konzertkirche eingeladen. Engagierte Bürger werden für ihre ehrenamtliche Arbeit durch Stadtpräsident Dieter Stegemann gewürdigt. Oberbürgermeister Silvio Witt ehrt ein Unternehmen der Stadt. Die Auszeichnungen sind mit einem Eintrag ins Ehrenbuch der Stadt verbunden.

Nachfolgend die Ehrungen und die Rede von Oberbürgermeister Silvio Witt anlässlich des 772. Stadtgeburtstages.

Ehrung Unternehmen des Jahres

13° Crossmedia Agentur

Die 13° Crossmedia Agentur entwickelt und optimiert mit derzeit zwölf Mitarbeitern Marken, Produkte, Dienstleistungen bis zur Marktreife und inszeniert diese in den für sie sinnvollen Kommunikationskanälen, abgestimmt auf die jeweilige Zielgruppe und die entsprechenden Kommunikationsziele. Das Unternehmen zeigt seine soziale Verantwortung insbesondere in den vielfältigen Maßnahmen zur Vereinbarung von Beruf und Familie und dem breitangelegten Sponsoring für Sportvereine und Veranstaltungen. Als Unterstützer von regionalen Netzwerken und durch das Engagement bei überregionalen Messen verstehen sich die Mitarbeiter des Unternehmens als Repräsentant der Stadt Neubrandenburg.

Würdigung für ehrenamtliches Engagement

Vorgeschlagen vom Behindertenverband e. V.

Peter Bauer wird für sein über 20-jähriges Engagement als Leiter des Chores geehrt, der aus dem Chor der Volkssolidarität hervorgegangen ist, und heute als „modern-senior-chor mecklenburg“ auch über unsere Vier-Tore-Stadt hinaus bekannt ist. Peter Bauer wählt und arrangiert seine Lieder so, dass er die mehrheitlich älteren Sängerinnen und Sänger jung und aktiv hält. In einer starken Gemeinschaft nehmen sie am gesellschaftlichen Leben teil und zeigen was sie leisten können. Neben der musikalischen Leitung von vielen Auftritten im Jahr nimmt Peter Bauer auch einen enormen logistischen und technischen Aufwand auf sich.

Vorgeschlagen vom Seniorenbüro e. V. Neubrandenburg, Mehrgenerationenhaus

Michael Becker, der sich seit Jahren als seniorTrainer in der Stadt und im ländlichen Umland engagiert, wird geehrt. Zahlreiche Projekte tragen dabei seine Handschrift. Er gestaltet mit Senioren Kalender, unterstützt sie beim Erstellen von Power-Point-Präsentationen, hilft Jugendlichen und Erwachsenen, ihre Schul- oder Ausbildungsabschlüsse erfolgreich zu absolvieren, organsiert Lernpatenschaften, Hausaufgabenhilfen oder Lesehilfen, betreut Geflüchtete vorwiegend aus syrischen Familien. Michael Becker gibt unermüdlich als Lehrer im „Unruhestand“ sein Wissen und seine Erfahrung an andere weiter.

Vorgeschlagen von der Ökumenischen Telefonseelsorge Neubrandenburg

Olaf Malcherek wird für sein Engagement ausgezeichnet. Als Organisator und Motivator widmet Olaf Malcherek sein Leben seit vielen Jahren der Telefonseelsorge. Dabei schenkt er durch seine lebensbejahende Grundhaltung und gelebte Nächstenliebe den Ehrenamtlichen Kraft und Optimismus für ihre schwierige Aufgabe. Er ist ihnen Wegbegleiter, Vertrauter und Freund. Auch in der Nacht oder an Feiertagen ist Olaf Malcherek ein verlässlicher Ansprechpartner und hilft auch mal bei technischen Problemen und wendet dafür viel Zeit seines Lebens auf. Er bringt sich, seinen Glauben und seine Freude am Zusammenkommen in die Gemeinschaft der Ökumenischen Telefonseelsorge ein.

Vorgeschlagen vom Seniorenbeirat Neubrandenburg

Geehrt wird Günter Schult für sein aktives Wirken in der Seniorenvertretung. Als Gründungsmitglied des Seniorenbeirates setzt sich Günter Schult seit mehr als 25 Jahren für die Seniorinnen und Senioren unserer Vier-Tore-Stadt ein. Auch im Landesseniorenbeirat engagierte er sich. Als es darum ging, den Kreisseniorenbeirat MSE aufzubauen, war es wiederum Günter Schult, der das Projekt vorantrieb. Seither ist er auch dort aktiv und hat zudem als einziger Delegierter an allen 10 Altenparlamenten des Landes teilgenommen. Regelmäßig gibt er sein Wissen an andere Seniorenbeiräte weiter.

 Vorgeschlagen von der Integrativen Kita ÖKOLINO

Geehrt wird Kathrin Tutecki. Kathrin Tutecki engagiert sich als Elternratsvorsitzende in der Kindertagesstätte ÖKOLINO und begeistert durch ihre ansteckende Fröhlichkeit sowohl Kinder als auch Erwachsene. Immer auf das Wohl der Kinder bedacht, überzeugt sie durch ihren Ideenreichtum und ihre Kreativität. So initiiert, organisiert und moderiert Kathrin Tutecki seit Jahren Eltern-Kind-Nachmittage. Sie motiviert ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter im Elternrat und spart auch nicht an Lob und – wenn es sein muss – feinfühliger Kritik gegenüber der Einrichtung.

Rede des Oberbürgermeisters Silvio Witt anlässlich des 772. Stadtgeburtstages am 4. Januar 2020 während des Bürgerempfangs in der Konzertkirche

Liebe Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger,
liebe Gäste unserer Stadt,
wir leben in nervösen Zeiten. Eigentlich kaum zu glauben. Denn schauen wir auf Deutschland, auf Mecklenburg-Vorpommern und auf unsere Stadt bleibt Eines festzuhalten: Es ging uns schon lange nicht so gut. Woher kommt also diese Nervosität – diese oft zitierte „Stimmung im Land“?
Erklären kann ich dies nicht, aber vielleicht geben Sie mir die Gelegenheit, mit Ihnen gemein-sam ein wenig in die Geschichte unserer Stadt einzutauchen und dann vielleicht daraus ein paar Erkenntnisse zu gewinnen.
Als Friedrich Brückner Bürgermeister von Neubrandenburg wurde, konnte er wahrlich nicht ahnen, welch´ große Aufgaben auf ihn zukommen würden. Auch konnte er nicht wissen, dass er insgesamt 53 Jahre Verantwortung für unsere Stadt tragen wird. In seine Amtszeit, die er zu großen Teilen mit seinem Stellvertreter und späteren Nachfolger Wilhelm Ahlers gestaltete, fiel nicht nur ein ökonomisches Wachstum Neubrandenburgs sowie die sieben schaffensrei-chen Jahre Fritz Reuters sondern auch das Revolutionsjahr 1848 und der Bau der Eisenbahn-strecken von, über und nach Neubrandenburg. Dafür war es 1863 notwendig, die Stadtmauer zu öffnen und ein Wiekhaus abzureißen. Schlicht und ergreifend, weil man sonst nur über ei-nen Umweg zum Bahnhof gekommen wäre. Nein, nicht über den kleinen Durchgang neben dem Fangelturm, den gab es erst rund 50 Jahre später. Man hätte durch das Friedländer Tor zum Bahnhof gehen oder fahren müssen. Manch ein Neubrandenburger fand, dass man diesen Umweg ruhig hätte in Kauf nehmen können. Zumal man ja gar nicht wusste, ob das mit der Eisenbahn jetzt so unbedingt sein muss. Pferde bestimmten damals das Straßenbild. Das erste Automobil war noch lange nicht erfunden.
Man entschied sich schlussendlich und richtigerweise für den Mauerdurchbruch und den Ab-riss des Wiekhauses. Kurzerhand wurde ein kleiner Mauersockel errichtet, der beiderseitig auf zwei Pfeiler führte. Diese nannte man damals aus Verbundenheit zu den vier vorhandenen Toren – das Bahnhofstor. Zu guter Letzt benannte man den nördlichen Teil der heutigen Star-garder Straße noch in Eisenbahnstraße um. Ich frage mich, wie heute solch eine Maßnahme aufgenommen werden würde…
Sie wissen nun, wohin meine Reise führen soll. Als wir Ende des Jahres das Bahnhofstor feier-lich wiederauferstehen lassen haben, reagierten viele Menschen freudig oder zumindest inte-ressiert. Erst Recht, wenn wir das Konzept hinter der neuen Gestaltung erklärt haben. Es wur-den nämlich Betonflächen beseitigt und der Wall wieder sichtbar bis an die Straße herangezo-gen. „Uns Fritzing“ hat seine historische Umzäunung zurückerhalten und thront nun wesent-lich erhabener. Der Mudder-Schulten-Brunnen funktioniert nach Jahrzehnten wieder. Letzten Endes haben wird mit Stelen sichtbar gemacht, wie rigoros man vor 150 Jahren mit der Stadt-mauer umgegangen ist. All dies nimmt die Neugestaltung auf und schafft mit Bänken einen neuen Ort zum Verweilen. Wir werden es im Frühjahr erleben und genießen.
Nun darf man dies alles trotzdem wenig gelungen oder gar hässlich finden. Das war schon zu allen Zeiten so. Neu ist jedoch, dass ein einziger Post in den sozialen Medien im Internet dazu führen kann, eine Meinung zu verbreiten, ohne sich jemals selbst ein Bild gemacht zu haben. Und so wurde dann munter anhand der Diskussion um eine offensichtlich durchdachte Gestal-tung eines Platzes die viel zitierte Nervosität deutlich. Irgendwann ging es in den Facebook-Kommentaren nicht mehr um Geschmack, um den man immer streiten kann. Es ging um man-gelnde Transparenz bei der Planung, mehr Bürgerbeteiligung, vielleicht sogar eine Volksab-stimmung bis hin zu dem absurden Vorwurf, jemand habe Schmiergeld für die Gestaltung er-halten. Meine Damen und Herren, so dürfen wir nicht miteinander umgehen. Und wer in Ver-antwortung steht, egal an welcher Stelle, darf so eine Diskussion nicht unkommentiert lassen.
Jedes öffentliche Projekt der Stadt Neubrandenburg ist transparent und wir haben gerade im vergangenen Jahr sehr viel für noch mehr Bürgerbeteiligung getan.
Bürgerbeteiligung bedeutet jedoch auch Bürgerverantwortung!
Demokratie heißt, dass es klar definierte Regeln, Prozesse und vor allem Zuständigkeiten gibt. Dies bedeutet eben auch, dass die einzelne, persönliche Meinung in einem demokratischen Prozess oft nicht die Mehrheit widerspiegelt. Es wäre fatal und demokratiefeindlich, aus die-sem Grund die Regeln, Prozesse und Zuständigkeiten generell in Frage zu stellen. Doch genau das ist es, was immer häufiger passiert. Bürgerverantwortung heißt, dass man auch für das Ge-meinwohl und nicht nur für sich selbst verantwortlich ist. Dass man wählen geht oder sich wählen lässt. Das man aktiv mitdiskutiert und – mitgestaltet.
Diese Republik ist so nervös geworden, weil wir es zulassen, dass die Stimmen der Nörgler und Passiven immer lauter werden. So laut, dass die Ergebnisse der vielen Engagierten, ob im Beruf oder im Ehrenamt, manchmal nicht mehr zu sehen und zu hören sind. Das dürfen wir nicht zu-lassen.
Lassen Sie mich dies an einem zweiten Beispiel skizzieren, das mir sehr am Herzen liegt.
Als bisher einzige Kommune in Mecklenburg-Vorpommern haben wir eine sogenannte Dunkel-feldanalyse durchgeführt und im zurückliegenden Jahr der Öffentlichkeit präsentiert. Diese anonyme Befragung sollte herausfinden, ob und in welcher Form die Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger bereits Opfer einer Straftat geworden sind und wie das Sicherheitsge-fühl in der Stadt ist. Das Ergebnis lässt sich kurz und knapp zusammenfassen: Neubrandenburg ist eine sichere Stadt.
Ein Teil der benannten Probleme können wir gemeinsam lösen: Dort wo Müll liegt, fühlen sich Menschen eher unwohl und unsicher. Also lassen Sie uns alle gemeinsam etwas für eine noch sauberere Stadt tun. Einige der Befragten fühlten sich in der Nähe von Migranten unsicher. Das Land, der Kreis und auch wir als Stadt stellen engagierten Vereinen und Verbänden Geld zur Verfügung, um Begegnungen mit Migrantinnen und Migranten zu ermöglichen und In-tegration zu leben. Immer dort wo Austausch stattfindet, wo man sich offen begegnen kann, schwinden nachweislich Vorurteile und Ängste.
Lassen Sie diese Begegnungen zu. Reden Sie beispielsweise auch mit den Lehrerinnen und Leh-rern sowie den Erzieherinnen und Erziehern in unserer Stadt. Sie können Ihnen sowohl von den Problemen als auch von den Erfolgen berichten. Dieser tagtäglichen Arbeit zolle ich mei-nen größten Respekt, denn in den Kitas und Schulen werden die Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger der Zukunft in ihrem Werden begleitet. Egal, ob sie aus Berlin, Kabul, Al-eppo, Kiew, Friedland, Woldegk oder Tützpatz kommen. Wichtig ist, dass sie feine Menschen und echte Demokraten werden. Ja, und auch das sage ich hier deutlich, leider gab es im ver-gangenen Jahr auch Rangeleien und Pöbeleien auf dem Marktplatz. Aber die gibt es in un-schöner Regelmäßigkeit auch vor Bars oder Discos.
Aber ich sage es ganz deutlich – dies hat es schon immer gegeben – hier und überall auf der Welt. Und wenn sich 10 Leute auf dem Marktplatz auf diese Weise die Meinung sagen, dann bin ich froh, dass offensichtlich 64.990 Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger bes-sere Umgangsformen pflegen und unsere Stadt damit zu einer sicheren Stadt machen.
Lassen Sie sich nicht nervös machen, wenn man versucht solche Fälle zu verallgemeinern. Mit den Stadtvertreterinnen und Stadtvertretern werden wir in diesem Jahr ein Sicherheitskonzept diskutieren und beschließen. Beteiligen Sie sich an dieser Diskussion und lassen Sie uns die Dinge anpacken, die wir gemeinsam mit vielen Akteuren verbessern können.
Lassen Sie uns also mit dem Optimismus in ein neues Jahr und den Beginn eines neuen Jahr-zehnts schauen, der mehr als gerechtfertigt ist. Denn wir werden in gut zwei Jahren den Kas-senkredit der Stadt getilgt und damit einen Schuldenberg von rund 92 Millionen Euro abge-tragen haben. Das ist eine sehr gute Gemeinschaftsleistung. Trotz des Schuldenabbaus werden wir auch im kommenden Jahr weiter kräftig investieren. Die Rathaussanierung schreitet voran, die Schulen im Reitbahnweg und auf dem Datzeberg werden schöner und moderner und ja, wir werden auch weiter Straßen sanieren. Allen voran die Straßen in unserer Innenstadt. Ich freue mich außerdem auf den Start der Sanierung der Stadthalle und die Umgestaltung des Kulturpark-Eingangs. Seien sie gespannt.
Entspannung wird es endlich am Bahndamm in der Sponholzer Straße geben, denn er wird 2020 überbrückt und somit den ersten Bauabschnitt der Ortsumgehung komplettieren. Dann kann uns die Schranke, die im Volksmund auch „Sabotagebalken“ genannt wird, nicht mehr aufhalten. Bund und Land werden auch an anderen Stellen in der Stadt investieren. In Planung sind derzeit der Bibliotheksneubau für die Hochschule und der längst überfällige Bau des Poli-zeipräsidiums.
Wer aufmerksam durch die Stadt geht, konnte in den vergangenen Monaten die gelungene Werkserweiterung von Webasto erleben. Ebenso hat Weber Maschinenbau auf dem Datzeberg erneut investiert. Aber auch kleinere Unternehmen der Stadt zeigen am Standort Neubranden-burg Flagge und investieren in Erweiterungen und Neubauten. Ein herzliches Dankeschön da-für, ohne die starke Unternehmerlandschaft wäre vieles in unserer Stadt undenkbar. Sicher geht es Ihnen wie mir, dass Sie die Sanierung und Erweiterung der Friedhofsvilla mit Freude beobachten. Sehr wahrscheinlich werden wir 2020 auch den Beginn der längst überfälligen Sanierung der Luhmann-Villa, vielen noch bekannt als „Club der Intelligenz“, feiern können. Die Liste der Vorhaben für das Jahr 2020 ist lang. Feste, Konzerte, Aktionen, Selbsthilfegrup-pen, Vereine – viele Akteure werden auch in diesem Jahr dafür sorgen, dass unsere Stadt so le-benswert ist.
Was wir nun brauchen ist Vertrauen.
Vertrauen in uns selbst, vielleicht in Gott. Vertrauen in die Menschen um uns herum und in die, die wir demokratisch legitimiert haben, für das Gemeinwohl zu sorgen. Ja, jede Innovation und jedes Zeitalter bringt Herausforderungen und manchmal auch grundlegende Veränderun-gen mit sich. Aber nur mit Zuversicht und Vertrauen sind diese zu meistern.
Friedrich Brückner musste die Voraussetzungen für den Eisenbahnverkehr in Neubrandenburg schaffen. Wir bauen Elektroladesäulen, Erdgas- oder Wasserstoff-Tankstellen und ein Digitales Innovationszentrum. Keine Ahnung, ob dies die Lösungen für die Zukunft sind. Aber es sind Veränderungen, die seit Jahrhunderten, wenn nicht seit Jahrtausenden immer Motor des Erfol-ges waren.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und glückliches Jahr 2020. Lassen Sie uns im 30. Jahr der Deutschen Einheit vor allem dankbar für das Erreichte sein und gemeinsam weiter unsere schöne Vier-Tore-Stadt gestalten. Ich freue mich darauf.
Bleiben Sie gesund, das ist das Wichtigste.