Der Arbeitsmarkt im Dezember und Jahresbilanz 2018

„Mit Beginn des Winters ist die Arbeitslosigkeit in der Mecklenburgischen Seenplatte gestiegen. Aber: Derzeit spricht viel dafür, dass sich die gute Lage der Wirtschaft, verbunden mit der steigenden Nachfrage nach gut ausgebildetem Personal, in den kommenden Monaten fortsetzt. Nach meiner Einschätzung wird sich der Arbeitsmarkt im Jahr 2019 weiter gut entwickeln. Allerdings werden sich die enormen Rückgänge der Arbeitslosenzahlen der vergangenen Jahre abflachen. Eine moderate Abschwächung der Dynamik ist auch nicht auszuschließen. Dennoch erwarte ich einen Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung und einen Rückgang der Arbeitslosigkeit“, sagt der Chef der Neubrandenburger Arbeitsagentur, Thomas Besse, am Freitag anlässlich der monatlichen Pressekonferenz.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Seenplatte im Überblick

  • Insgesamt 12.065 Arbeitslose: ein Minus von 1.592 im Vergleich zum Dezember 2017
  • Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 9,1 Prozent
  • Anstieg der Arbeitslosenzahl unter dem fünfjährigen Mittel von knapp 600 (598)
  • seit Jahresbeginn 9.522 freie Jobs gemeldet
  • sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf Höchststand
  • Frauen und ältere Arbeitslose profitieren besonders – Langzeitarbeitslose überwiegend demografiebedingt
  • Stärkster Rückgang der Arbeitslosigkeit in Malchin (-16 Prozent)
  • Mit 7,4 Prozent niedrigste Arbeitslosenquote in Waren – Höchste mit 13 Prozent in Demmin

Im Dezember waren in der Seenplatte 433 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im November. Insgesamt 12.065. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 9,1 Prozent. Im Vergleich zum Dezember des Vorjahres 1.592 Arbeitslose weniger.
„Die gute Konjunktur im Landkreis bringt immer mehr Menschen in Lohn und Brot. So ist die Zahl der Arbeitnehmer nach letzten verfügbaren Daten (31. März 2018) auf knapp 93 Tausend (92.484) und damit auf einen neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung gestiegen. Damit waren im März 2018 1.367 Menschen mehr als ein Jahr zuvor sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Es spricht viel dafür, dass der Arbeitsmarkt auch im neuen Jahr aufnahmefähig bleibt. Daran ändert auch die Börsentalfahrt der vergangenen Wochen nichts. Zwar wirken sich in den Kernwintermonaten Januar und Februar immer auch saisonale Einflüsse dämpfend aus. Aber die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt ungebrochen. Unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung bleiben wichtige Herausforderungen am Arbeitsmarkt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte auch in Zukunft von Bedeutung. Dazu gehören neben der Digitalisierung die zunehmend knapper werdenden Arbeitskräfte, aber auch strukturelle Probleme wie die Integration von Langzeitarbeitslosen und Geflüchteten“, sagt der Arbeitsagenturchef.

„Die Rahmenbedingungen des Arbeitsmarktes sind historisch günstig“, sagt Besse, um auch langzeitarbeitslosen Menschen einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu eröffnen. Die Bundesagentur für Arbeit verfolgt unterschiedliche Ansätze, da die Ursachen von Langzeitarbeitslosigkeit vielfältig sind und sich je nach Region unterschiedlich gute Möglichkeiten für eine Arbeitsaufnahme bieten.

„Dabei setzen wir auf präventive Ansätze, den systematischen Abbau der individuellen Integrationshemmnisse, Ansätze intensiver Betreuung sowie Konzepte für eine verbesserte soziale Teilhabe,“ sagt der Agenturchef.

Besse betont: „Maßnahmen und Initiativen gegen Langzeitarbeitslosigkeit sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Diese kann nicht von der Arbeitsagentur alleine gelöst werden, sondern erfordert gemeinsame Anstrengungen aller Partner am Arbeitsmarkt.“

Größte Herausforderung am Arbeitsmarkt: Langzeitarbeitslose mit offenen Stellen zusammenbringen

Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Situation: 41 Prozent (4.928) der Arbeitslosen sind ein Jahr und länger arbeitslos. Viele von ihnen haben keine Ausbildung. „Um diese Menschen müssen wir uns kümmern“, betont Besse.
Allein unter 15 bis unter 25-Jährigen insgesamt 153.

Positiver Ausblick auf das Jahr 2019

Nach meiner Einschätzung wird sich der Arbeitsmarkt im Landkreis weiter gut entwickeln. Allerdings werden sich die enormen Rückgänge der Arbeitslosenzahlen der vergangenen Jahre abflachen. Aller Voraussicht nach kommt es zu einer moderaten Abschwächung der Dynamik. Und es gibt Abwärtsrisiken. Trotzdem wird die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung weiter zunehmen und die Arbeitslosigkeit sinken.“

Zu- und Abgänge

1.288 Männer und Frauen mussten sich im Dezember nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes in der Seenplatte neu oder erneut arbeitslos melden. Das sind 83 mehr als im Dezember 2017.
596 Arbeitslose konnten ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt beenden. Das sind 25 weniger als im Vorjahresmonat.
Damit übersteigen im Dezember die Arbeitslosmeldungen aus Beschäftigung (1.288) die Arbeitsaufnahmen (596).

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Nach Personengruppen entwickelte sich die Arbeitslosigkeit recht unterschiedlich. Die Spanne der Veränderungen reicht im Dezember von –13 Prozent bei 50- Jährigen und Älteren bis -3 Prozent bei 15- bis unter 25-Jährigen.
Die Arbeitslosenquote der Jüngeren ist binnen Jahresfrist um 0,3 Prozentpunkte gesunken. Damit liegt sie 1,9 Prozent über dem Wert der allgemeinen Quote.
Die Zahl der Älteren (50 bis unter 65 Jahre) ist rückläufig. Ihre Zahl sank – zum Vorjahr – um 722 oder 12,8 Prozent auf 4.920. Neben dem demografischen Aspekt zeigt sich, dass Unternehmen deutlich öfter die Potentiale lebenserfahrener Arbeitnehmer schätzen. Die anteilige Arbeitslosenquote Älterer sank von Dezember 2017 auf Dezember 2018 um 1,2 auf jetzt 8,9 Prozent. Damit liegt sie in etwa auf dem Niveau der allgemeinen Quote (9,1).

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch III, also bei all denjenigen, die Arbeitslosengeld I erhalten, waren im Dezember 3.827 Menschen arbeitslos. 383 mehr als im Vormonat und 342 weniger als im Dezember 2017. Das entspricht einem Rückgang von 8,2 Prozent. *
Die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld II nach dem Sozialgesetzbuch II – umgangssprachlich Hartz-IV-Empfänger genannt – lag im Dezember bei 8.238 Arbeitslosen. 50 mehr als im November aber 1.250 weniger als im Dezember 2017. Das entspricht einem Rückgang um 13,2 Prozent. *
*Seit dem 1. Januar 2017 werden die sogenannten „Aufstocker“ (Parallelbezieher von ALG I und ALG II) vermittlerisch durch die Arbeitsagenturen betreut und deshalb künftig im Rechtskreis SGB III als arbeitslos gezählt (zuvor: im SGB II). Das muss bei der Interpretation von Vergleichen mit davorliegenden Zeiträumen berücksichtigt werden.

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

Im Dezember konnten 4.511 Männer und Frauen mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen unterstützt werden. Darunter 1.039 Menschen, denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gefördert wurde. 903 wurden in beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen fit für den Arbeitsmarkt gemacht. Insgesamt 211 Förderungen mehr als vor einem Jahr.
Die Unterbeschäftigung zeichnet ein realistischeres Bild von der Verfassung des Arbeitsmarktes. Dabei werden neben Arbeitslosen auch Teilnehmer in Maßnahmen, Weiterbildungen und arbeitsunfähig Erkrankte erfasst. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im Dezember bei 16.041 das waren 370 oder 2,4 Prozent mehr als im Vormonat – 1.887 oder 10,5 Prozent weniger als im Dezember 2017.
Ohne den Entlastungseffekt der arbeitsmarktpolitischen Förderinstrumente läge die Zahl der Arbeitslosen – ausgewiesen durch die so genannte „Unterbeschäftigung“ – um 3.976 höher und die Arbeitslosenquote bei 11,8 Prozent.

Geldleistungen

Insgesamt 3.529 Personen erhielten im Dezember 2018 Arbeitslosengeld, 166 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im Dezember bei 18.497. Gegenüber Dezember 2017 war dies ein Rückgang von 2.364 Personen.

Gemeldete Arbeitsstellen

Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen ist auf 2.345 Stellen gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat (Dezember 2017) bedeutet dies einen Rückgang von 37. Die Arbeitskraftnachfrage der Unternehmen lässt sich eindeutiger am Zugang an offenen gemeldeten Stellen seit Jahresbeginn ablesen: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank der Stellenzugang um 438 oder 4,4 Prozent.
Die größte Nachfrage gab es im Dezember aus den Bereichen: Callcenter und Zeitarbeit (641 freie Stellen im Bestand), Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (315) im verarbeitenden Gewerbe (290) im Baugewerbe (254) sowie Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (217).
Unternehmen in der Seenplatte, die noch keinen festen Ansprechpartner haben, erreichen den Arbeitgeberservice telefonisch unter der kostenfreien Arbeitgeber-Service-Rufnummer: 0800 4 5555 20.

Der Arbeitsmarkt in den Dienststellen des Agenturbezirks

Im Agenturbezirk Neubrandenburg entwickelte sich der Arbeitsmarkt im Dezember relativ einheitlich. In allen Regionen war im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Rückgang zu verzeichnen. Am günstigsten war die Veränderung der Arbeitslosigkeit in Malchin; dort sank der Bestand an Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahresmonat um 16 Prozent. Demgegenüber steht die Entwicklung in Demmin mit einer Abnahme von 7 Prozent.

Ausländerarbeitslosigkeit

Im November waren in der Seenplatte 762 Ausländer (-59) zum Vorjahresmonat arbeitslos gemeldet. Jeder zweite (439 oder 57,6 Prozent) arbeitslos gemeldete Ausländer lässt sich auf die Flüchtlingseffekte aus den sogenannten außereuropäischen Asylzugangsländern* zurückführen.
Derzeit sind Arbeitslosenquoten für Ausländer aufgrund der starken Zuwanderung verzerrt. Sie werden deshalb unterhalb der Bundesländerebene nicht ausgewiesen. Bis auf weiteres werden betroffene Werte daher nicht angezeigt („X“) bzw. insgesamt betroffene Zeilen oder Spalten ausgeblendet.
*Das Aggregat beinhaltet die 8 nichteuropäischen Herkunftsländer, deren Bürger/-innen in den letzten Jahren die meisten Asylerstanträge gestellt haben. Es umfasst folgende Länder: Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien.

Jahresbilanz 2018

Im Dezember stieg die Zahl der Arbeitslosen in der Seenplatte saisonal zwar leicht an – für das gesamte Jahr aber ist die Bilanz äußerst positiv. Auf dem Arbeitsmarkt war 2018 das beste Jahr seit der Wiedervereinigung.
Die Zahl der Arbeitslosen lag im Jahresdurchschnitt bei 12.648. Damit waren 1.647 oder 11,5 Prozent weniger Männer und Frauen arbeitslos als 2017.
Das Kundenzentrum der Agentur für Arbeit, verantwortlich für den Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), betreute im Jahr 2018 jahresdurchschnittlich 3.706 Männer und Frauen. Das sind 486 oder 11,6 Prozent mehr als in 2016.*
Die Jobcenter im Landkreis, verantwortlich für die Grundsicherung nach dem zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB II), zählten im Jahresschnitt 8.942 Arbeitslose. Das sind 1.161 Personen oder 11,5 Prozent weniger als 2017.*
Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 9,5 Prozent. Ein Minus von 1,1 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr 2017.
Die Zahl der Entlassungen lag 2018 in der Jahressumme unter dem Vorjahreswert von 11.078. Im Verlauf des Jahres 2018 mussten sich nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes 10.602 Männer und Frauen in der Seenplatte arbeitslos melden. Das waren 476 oder 4,3 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Im Jahr 2018 beendeten mit 9.798 weniger Männer und Frauen in der Seenplatte ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Arbeit am ersten Arbeitsmarkt als vor einem Jahr. Der Rückgang lag bei 818 oder 7,7 Prozent.
Im Jahresverlauf 2018 meldeten die Unternehmen und Verwaltungen in der Seenplatte dem Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcentern insgesamt 9.221 offene sozialversicherungspflichtige Stellen. Das waren 517 oder 5,3 Prozent weniger freie Arbeitsplätze als im Vorjahreszeitraum.

*Seit dem 1. Januar 2017 werden die sogenannten „Aufstocker“ (Parallelbezieher von ALG I und ALG II) vermittlerisch durch die Arbeitsagenturen betreut und deshalb künftig im Rechtskreis SGB III als arbeitslos gezählt (zuvor: im SGB II). Das muss bei der Interpretation von Vergleichen mit davorliegenden Zeiträumen berücksichtigt werden.