Arbeitsmarkt im November: Arbeitslosigkeit steigt saisonbedingt

„Der Arbeitsmarkt hat im November saisonbedingt an Schwung verloren. Parallel zur weiterhin guten konjunkturellen Entwicklung hat die Zahl der Arbeitslosen im laufenden Monat zugenommen – weniger als normalerweise in einem November. Und: Noch nie zuvor war die Arbeitslosigkeit in einem November niedriger“, sagt der Chef der Neubrandenburger Arbeitsagentur, Thomas Besse, am Donnerstag, 29.11.2018, anlässlich der monatlichen Pressekonferenz.

  • Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Seenplatte im Überblick
  • Insgesamt 11.632 Arbeitslose: ein Minus von 1.683 im Vergleich zum November 2017
  • Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 8,8 Prozent
  • Rückgang der Arbeitslosigkeit (Vormonat) in den Jobcentern, saisontypischer Anstieg in der Arbeitsagentur
  • 2.379 freie Arbeitsstellen
  • Stärkster Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Vormonat in Röbel (+15 Prozent)
  • Mit 6,9 Prozent niedrigste Arbeitslosenquote in Waren – Höchste mit 12,5 Prozent in Demmin
  • Bundesweite Woche der Menschen mit Behinderung vom 03.12. bis 07.12.2018

Im November waren in der Seenplatte 448 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im Oktober. Insgesamt 11.632. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 8,8 Prozent. Im Vergleich zum November des Vorjahres 1.683 Arbeitslose weniger.
Für den Agenturchef sind es im Wesentlichen zwei Gründe, die die Zahl der Arbeitslosen zum Oktober steigen lassen haben: mehr Entlassungen und weniger Abmeldungen aus der Arbeitslosigkeit in Arbeit.

„Dass im November die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat steigen wird, haben wir erwartet. Das ist zum Jahresende in unserer Region üblich. In diesem Jahr lag sie allerdings mit 448 Frauen und Männern leicht unter dem dreijährigen Mittel von knapp 600 (598). Diese Entwicklung entspricht auch unseren allgemeinen Beobachtungen: Die Unternehmen beschreiben ihre Geschäftslage weit überwiegend mit gut. Auch sind die Absatzerwartungen der Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten trotz der Geschäftsrisiken, der handelspolitischen Konflikte, des drohenden Brexits und der starken Binnennachfrage weiterhin positiv. Aber: Auch das saisonale Weihnachtsgeschäft wir nicht verhindern können, dass über die Wintermonate die Arbeitslosigkeit vorübergehend ansteigen wird“, sagte Thomas Besse. So sehr die Lichtblicke am Arbeitsmarkt beeindrucken: Herausforderungen bleiben.

„Denn trotz der leicht positiven Tendenz im Bereich der Langzeitarbeitslosigkeit mahnen uns die immer noch knapp 5.000 Menschen (4.971), die anhaltend keine Beschäftigung finden, unseren Einsatz für diese Gruppe deutlich zu verstärken. Und immer deutlicher wird auch: Die Fachkräfteengpässe nehmen zu. Mehr Stellen bleiben länger unbesetzt. Der Aufbau von Beschäftigung findet maßgeblich im qualifizierten Bereich und in Berufen mit hohen Anforderungen statt“, sagt Besse.

Saisonbedingt nachlassende Dynamik

Insgesamt übersteigen im November die Arbeitslosmeldungen aus Beschäftigung (1.296) die Arbeitsaufnahmen (710).
Neben deutlich weniger Arbeitsabmeldungen, was saisontypisch ist, zeigt sich auch, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht durch den Einsatz arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen abgefedert werden konnte. So ist die Zahl der Menschen, die an arbeitsmarktpolitischen Programmen teilnehmen, zum Vormonat- und Vorjahresmonat gestiegen. Dazu gehören beispielweise Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung, Beschäftigung schaffende Maßnahmen sowie Maßnahmen zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit.

Bundesweite Woche der Menschen mit Behinderung vom 03.12. bis 07.12.2018

In der Aktionswoche setzen die Arbeitsagentur und Jobcenter im Landkreis auf fundierte Beratung durch besonders geschulte Fachkräfte. Diese beraten Personalentscheider und unterstützen sie dabei, wie zum Beispiel Arbeitsplätze an die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Handicap angepasst werden können, unterstützen den Betrieb bei der Organisation und zeigen letztlich finanzielle Fördermöglichkeiten auf.

„Gerade für Menschen mit Behinderung hat der Arbeitsmarkt im Landkreis noch Entwicklungspotential. 9 Prozent der Arbeitslosen im November haben eine Schwerbehinderung, das sind 1.062 Menschen. Zwei Drittel dieser Menschen sind gut ausgebildete Fachkräfte. Hier möchten wir Arbeitgeber überzeugen, noch mehr auf die Qualifikation zu achten und nicht mögliche Defizite durch die Behinderung in den Fokus zu stellen. Gleiche Chancen in der Arbeitswelt sind mein erklärtes Ziel – auch im Hinblick auf den Fachkräfteengpass in einigen Branchen. Unternehmen können es sich nicht mehr leisten, auf das Potential dieser Menschen zu verzichten“, so Besse.

Infos zu Unterstützungsleistungen für Arbeitgeber gibt der Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter unter der kostenlosen Rufnummer 0800 4 5555 20.

Zu- und Abgänge

Im November meldeten sich 2.918 Personen (neu oder erneut) arbeitslos, das waren 197 weniger als vor einem Jahr. Gleichzeitig beendeten 2.459 Personen ihre Arbeitslosigkeit, 22 weniger als im November 2017. Seit Jahresbeginn gab es 28.075 Zugänge von Arbeitslosen, gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das eine Abnahme von 2.994 Meldungen. Dem gegenüber stehen 30.088 Abmeldungen von Arbeitslosen, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das eine Abnahme von 3.372 Abmeldungen.
Im November meldeten sich 1.296 zuvor erwerbstätige Personen arbeitslos, 161 weniger als vor einem Jahr. Durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit konnten in diesem Monat 710 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 35 weniger als vor einem Jahr.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Nach Personengruppen entwickelte sich die Arbeitslosigkeit recht unterschiedlich, allerdings waren bei allen Rückgänge gegenüber dem Vorjahresmonat zu verzeichnen. Die Spanne der Veränderungen reicht im November von -15% bei 50-Jährigen und Älteren bis -7% bei Ausländern.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch III, also bei all denjenigen, die Arbeitslosengeld I erhalten, waren im November 3.444 Menschen arbeitslos. 384 mehr als im Vormonat und 440 weniger als im November 2017. Das entspricht einem Rückgang von 11,3 Prozent. (Seit dem 1. Januar 2017 werden die sogenannten „Aufstocker“ (Parallelbezieher von ALG I und ALG II) vermittlerisch durch die Arbeitsagenturen betreut und deshalb künftig im Rechtskreis SGB III als arbeitslos gezählt (zuvor: im SGB II). Das muss bei der Interpretation von Vergleichen mit davor liegenden Zeiträumen berücksichtigt werden.)
Die Zahl der Bezieher von Arbeitslosengeld II nach dem Sozialgesetzbuch II – umgangssprachlich Hartz-IV-Empfänger genannt – lag im November bei 8.188 Arbeitslosen. 64 mehr als im Oktober und 1.243 weniger als im November 2017. Das entspricht einem Rückgang von 13,2 Prozent.

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen

Im November konnten 4.635 Männer und Frauen mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen unterstützt werden. Darunter 1.045 Menschen, denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit gefördert wurde. 836 wurden in beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen fit für den Arbeitsmarkt gemacht. Insgesamt 159 Förderungen mehr als vor einem Jahr.

Ohne den Entlastungseffekt der arbeitsmarktpolitischen Förderinstrumente läge die Zahl der Arbeitslosen – ausgewiesen durch die so genannte „Unterbeschäftigung“ – um 4.019 höher und die Arbeitslosenquote bei 11,5 Prozent.

Geldleistungen

Insgesamt 3.292 Personen erhielten im November 2018 Arbeitslosengeld, 2 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im November bei 18.341. Gegenüber November 2017 war dies ein Rückgang von 2.658 Personen.

Gemeldete Arbeitsstellen

Auf hohem Niveau bewegt sich weiterhin die Zahl der gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Stellen. Insgesamt haben die Betriebe seit Jahresbeginn unserem Arbeitgeberservice-Team von Arbeitsagentur und Jobcentern im Landkreis 8.793 sozialversicherungspflichtige Arbeitsangebote gemeldet. Insbesondere im verarbeitenden Gewerbe, im Handel, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie bei den unternehmensnahen Dienstleistungen und im Gastgewerbe bestehen Einstiegschancen.
Die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen liegt im November bei 2.379. Gegenüber dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Rückgang von 76 oder 3,1 Prozent.
Die größte Nachfrage gab es im November aus den Bereichen: Callcenter und Zeitarbeit (570 freie Stellen im Bestand), Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (340), im verarbeitenden Gewerbe (322), im Baugewerbe (266), sowie Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (216). Unternehmen in der Seenplatte, die noch keinen festen Ansprechpartner haben, erreichen den Arbeitgeberservice telefonisch unter der kostenfreien Arbeitgeber-Service-Rufnummer: 0800 4 5555 20.

Der Arbeitsmarkt in den Dienststellen des Agenturbezirks

Im Agenturbezirk Neubrandenburg entwickelte sich die Arbeitslosigkeit im November relativ einheitlich. In allen Regionen war im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Rückgang zu verzeichnen. Am günstigsten war die Veränderung der Arbeitslosigkeit in Malchin; dort sank der Bestand an Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahresmonat um 19 Prozent. Dem gegenüber steht die Entwicklung in Demmin mit einer Abnahme von 7 Prozent.

Ausländerarbeitslosigkeit

Im November waren in der Seenplatte 778 Ausländer (-59) zum Vorjahresmonat arbeitslos gemeldet. Jeder zweite (60 Prozent) arbeitslos gemeldete Ausländer lässt sich auf die Flüchtlingseffekte aus den sogenannten außereuropäischen Asylzugangsländern zurückführen. (Das Aggregat beinhaltet die 8 nichteuropäischen Herkunftsländer, deren Bürger/-innen in den letzten Jahren die meisten Asylerstanträge gestellt haben. Es umfasst folgende Länder: Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien.)
Derzeit sind Arbeitslosenquoten für Ausländer aufgrund der starken Zuwanderung verzerrt. Sie werden deshalb unterhalb der Bundesländerebene nicht ausgewiesen. Bis auf weiteres werden betroffene Werte daher nicht angezeigt („X“““) bzw. insgesamt betroffene Zeilen oder Spalten ausgeblendet.